Ausgabe 7/2026

30. Juli 2026

KI-Aktien unter Druck: Ist der Aufschwung schon zu Ende?

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit Ende Juni sind die Kurse zahlreicher Unternehmen aus dem Umfeld der künstlichen Intelligenz zurückgegangen. Der Index für die Unternehmen der globalen Halbleiterindustrie („Global Semiconductors“) – als Beispiel – ging seit dem 29.6. um 20 % zurück. Das erschreckt und weckt Besorgnis.

Grafik: Wertentwicklung iShares MSCI Global Semiconductors ETF 29.6. bis 28.7.26

Quelle: baha

Schnell wird vergessen, dass dieser Index seit Beginn dieses Jahres mit 60 % im Plus steht. Der jüngste Rückgang ist dabei berücksichtigt.

Grafik: Wertentwicklung iShares MSCI Global Semiconductors ETF Anfang 2026 bis 28.7.26


Quelle: baha

Der Index ist in diesem Fall auf den Stand von Mitte Mai zurückgegangen. Dieser Rückgang liegt im Rahmen der üblichen Marktbewegungen.

Ich sehe diese Entwicklung, die in ähnlicher Form auch in anderen KI-nahen Branchen zu beobachten ist, allerdings als Warnzeichen. Lange Zeit legten die Kurse der Unternehmen aus der gesamten Wertschöpfungskette der KI-Industrie kräftig zu. Seit Ende Juni hat sich die Richtung umgekehrt.

Die Euphorie der Investoren hat einen Dämpfer erhalten, und dies, obwohl die Erwartungen bezüglich Umsatz- und Gewinnwachstum bei den meisten Unternehmen über-erfüllt wurden. Bis zum 29.6. haben 135 Unternehmen, die im S&P 500 gelistet sind, ihre Quartalsergebnisse veröffentlicht. 116 Unternehmen haben die Gewinnerwartungen übertroffen, 3 haben sie genau erreicht. Das bedeutet: Neun von zehn Unternehmen haben höhere Gewinne erzielt als erwartet. Und acht von zehn Unternehmen haben ihre Umsätze stärker gesteigert als erwartet. Trotzdem gab es in vielen Fällen einen Kursrückgang.

Die Investoren sind im alles beherrschenden Thema KI skeptisch, ob sich die gigantischen Investitionen in Rechenzentren amortisieren werden. Viele Investoren lassen dabei außer Acht, dass ein Teil der Kosten von den aktuellen und noch geplanten Rechenzentren durch die in den USA seit 19. Januar 2025 gültigen Steuervergünstigen finanziert werden. Ein hoher Teil der Gestehungskosten dieser Rechenzentren darf sofort gewinnmindernd abgeschrieben werden, was zu einer Reduzierung der Steuerlast auf die Gewinne in den anderen Geschäftsbereichen der KI-Giganten führt.

Lesen Sie hierzu den Beitrag auf der Webseite:

Milliarden für KI – und der Fiskus finanziert einen Teil davon vor

Die zurückgegangenen Kurse nähern sich einem Bereich, in dem Verkäufe ohne Rücksicht auf die zu erwartende Langfrist-Entwicklung ausgelöst werden könnten. Investoren, die spekulativ mit viel Fremdkapital investiert haben, könnten zu Verkäufen gezwungen werden. Auch Institutionen, die einem starren Regelwerk unterliegen, könnten verkaufen müssen, wenn die festgelegten Toleranzgrenzen erreicht sind. Diese Zwänge könnten noch zu einem weiteren Kursrückgang führen.

Diese Art von Marktbewegungen sind meist von kurzer Dauer. Sie folgen nicht aus einer tatsächlichen Schwäche der Wirtschaft. Sie ergeben sich aus dem, was erfahrene Investoren als „Markttechnik“ bezeichnen. Auf einen solchen Kursrückgang folgt üblicherweise eine Erholung. Diese Erholung kann mit starken Kurserhöhungen verbunden sein. Nur weiß niemand ganz genau, an welchen Tagen solch eine Entwicklung eintritt.

Der bereits mehrfach prämierte Analysedienst Capital Economics mit seinem Team von über 70 Analysten veröffentlichte am 28.7. mit Blick auf die wirtschaftliche Stärke der USA seine Einschätzung zur Entwicklung des S&P 500 bis zum Ende dieses Jahres mit 8.250. Zum Vergleich: per 30.7. 07:30 Uhr stand der S&P 500 bei 7.316. Daraus ergibt sich die Erwartung eines Anstiegs von fast 13 % bis zum Jahresende.

Noch positiver schätzt Capital Economics (CE) die Kurserholung in Asien ein. Ausgehend von den Kursen vom 16.07. erwartet CE bis zum Jahresende einen Anstieg von 16 % in Asien und 15 % in Japan. In Korea und Taiwan, wo die Kurse besonders stark von den Unternehmen der Halbleiterindustrie beeinflusst werden, sieht CE einen Kursanstieg bis zum Jahresende von über 20 %. Per 30.07. stehen die Kurse – vor allem in der Halbleiterindustrie – noch etwas tiefer als am 16.07. Das Potential der Kurserholung ist damit beträchtlich.

Die Einschätzung von Capital Economics ist für mich ein weiterer Grund, die Investments nach dem Kursrückgang der letzten Tage nicht zu reduzieren. Der Kursrückgang bietet eher eine gute Gelegenheit, das Volumen von Langfrist-Investments zu erhöhen. Die Wirtschaft in den USA und in Asien brummt. Meine Überzeugung ist: Dies wird alsbald – ausgehend von dem aktuellen Stand – wieder zu steigenden Kursen führen.

Mehr dazu lesen Sie in unserem neuen Beitrag:

Künstliche Intelligenz: Große Chancen, hohe Erwartungen und wachsende Risiken

Hier ein Auszug aus diesem Blogbeitrag:

  1. Eine neue Technologie weckt große Erwartungen.
  2. Kapital fließt in erheblichem Umfang in den neuen Markt.
  3. Der Wettbewerb nimmt stark zu.
  4. Es entstehen Überkapazitäten.
  5. Preise und Gewinnmargen geraten unter Druck.
  6. Der Markt konsolidiert sich.
  7. Einige wenige Unternehmen gehen gestärkt aus der Bereinigung hervor.

Lesen Sie den gesamten Blogbeitrag mit den Gedanken des britischen Finanzhistorikers Edward Chancellor. Hier noch einmal der Link:

Künstliche Intelligenz: Große Chancen, hohe Erwartungen und wachsende Risiken

Auch im jüngsten Expertentalk erläutern Mario Künzel und ich, welche Faktoren die Börsen derzeit bewegen und warum langfristig vor allem die Entwicklung der Unternehmensgewinne über den Anlageerfolg entscheidet. Hier der Link:

Videos für Ihren Vermögensaufbau – So holen Sie das Beste raus
Video #26: Was die Börsen jetzt bewegt

Herzliche Grüße
Walter Feil

Walter Feil - IhrKonzept-GmbH - Portrait
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