Die Investitionen in künstliche Intelligenz erreichen historische Dimensionen. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an Umsätze, Gewinne und Unternehmenswerte. Für uns als Anleger entsteht daraus eine entscheidende Frage: Wie trennen wir das langfristige Potenzial der Technologie von möglicherweise überzogenen Bewertungen einzelner Unternehmen?

Eine technologische Revolution kann trotzdem Verluste verursachen

Künstliche Intelligenz wird unsere Wirtschaft tiefgreifend verändern. Auch wir bei IhrKonzept setzen uns intensiv mit den Möglichkeiten dieser Technologie auseinander. Doch aus der Bedeutung einer Technologie lässt sich nicht automatisch ableiten, dass jedes damit verbundene Investment langfristig erfolgreich sein wird.

Eine Technologie kann die Welt verändern, während viele ihrer frühen Investoren dennoch Geld verlieren. Genau diesen Gedanken formuliert der britische Finanzhistoriker Edward Chancellor in einem Interview mit Mark Dittli, das am 17. Juli 2026 bei The Market, einem Angebot der Neuen Zürcher Zeitung, veröffentlicht wurde. Chancellor sieht deutliche Parallelen zwischen dem gegenwärtigen KI-Investitionsboom und früheren Phasen technologischer Euphorie. Seine Warnung richtet sich nicht gegen künstliche Intelligenz. Sie richtet sich gegen die Vorstellung, dass eine bedeutende Innovation automatisch jede Bewertung und jede Investitionssumme rechtfertigt.

Hunderte Milliarden Dollar für Rechenzentren

Im Zentrum des gegenwärtigen Booms stehen die großen Cloud- und Technologiekonzerne. Microsoft, Amazon, Alphabet, Meta und Oracle investieren enorme Beträge in Rechenzentren, Chips, Stromversorgung und digitale Infrastruktur. Davon profitieren zahlreiche Unternehmen entlang der gesamten Lieferkette.

Nach aktuellen Prognosen von Morgan Stanley könnten die weltweiten KI-bezogenen Investitionen von rund 850 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 auf etwa 1,5 Billionen US-Dollar im Jahr 2028 steigen. Langfristig stellt die Bank Investitionen von insgesamt bis zu 10 Billionen US-Dollar in den Raum. (Reuters)

Das sind Größenordnungen, die weit über einen gewöhnlichen Konjunkturzyklus hinausgehen. Sie erklären, weshalb die Aktienkurse vieler beteiligter Unternehmen stark gestiegen sind. Sie begründen aber auch die zentrale Frage: Welche nachhaltigen Erträge werden auf das eingesetzte Kapital erzielt?

Investitionsboom und Wettbewerb gehören zusammen

Technologische Umbrüche beginnen häufig mit einer Phase intensiven Wettbewerbs. Zahlreiche Unternehmen investieren gleichzeitig, weil niemand den Anschluss verlieren möchte. Das war beim Eisenbahnbau des 19. Jahrhunderts so. Es zeigte sich bei der Elektrifizierung, beim Automobil, bei der Telekommunikation und beim Ausbau des Internets. Chancellor beschreibt für technologische Investitionswellen ein wiederkehrendes Muster:

  1. Eine neue Technologie weckt große Erwartungen.
  2. Kapital fließt in erheblichem Umfang in den neuen Markt.
  3. Der Wettbewerb nimmt stark zu.
  4. Es entstehen Überkapazitäten.
  5. Preise und Gewinnmargen geraten unter Druck.
  6. Der Markt konsolidiert sich.
  7. Einige wenige Unternehmen gehen gestärkt aus der Bereinigung hervor.

Der wirtschaftliche Nutzen der Technologie bleibt bestehen. Die ursprünglich erwarteten Renditen verteilen sich jedoch oft anders, als Anleger zu Beginn angenommen haben. Chancellor verweist hierzu auf historische Investitionsbooms von den Eisenbahnen bis zur Dotcom-Ära.

Werden KI-Modelle zur austauschbaren Massenware?

Ein besonderer Risikofaktor liegt in der möglichen Austauschbarkeit großer Sprachmodelle. Sollten sich die verschiedenen Modelle langfristig nur noch geringfügig unterscheiden, könnten Preise und Margen unter Druck geraten. Kunden werden dann zwischen mehreren Anbietern wechseln oder preisgünstigere Open-Source-Modelle einsetzen.

Chancellor vertritt die Auffassung, dass große Sprachmodelle zunehmend den Charakter einer Commodity – also einer weitgehend austauschbaren Massenware – annehmen könnten. Gleichzeitig verweist er auf chinesische Open-Source-Modelle, die erheblich günstiger angeboten werden und dennoch einen großen Teil der Leistungsfähigkeit führender Systeme erreichen.

Ob diese Einschätzung vollständig zutrifft, wird sich erst zeigen. Wirtschaftlich ist der Gedanke jedoch nachvollziehbar: Je geringer die Unterschiede zwischen den Angeboten, desto schwieriger wird es, dauerhaft hohe Preise und Gewinnmargen durchzusetzen. Für die Nutzer von KI wäre dieser Wettbewerb positiv. Für die Anbieter und deren Kapitalgeber könnte er die Renditeerwartungen deutlich begrenzen.

Zirkuläre Finanzierung als Warnsignal

Besondere Aufmerksamkeit verdient die zunehmende finanzielle Verflechtung innerhalb des KI-Ökosystems. Technologieunternehmen sind teilweise gleichzeitig Investoren, Kreditgeber, Lieferanten, Kunden und Abnehmer von Rechenleistung. Ein Chipproduzent kann sich beispielsweise an einem Rechenzentrumsbetreiber beteiligen, der anschließend große Mengen seiner Chips kauft. Ein Cloud-Anbieter investiert in ein KI-Unternehmen, das sich im Gegenzug langfristig zur Nutzung seiner Cloud-Infrastruktur verpflichtet.

Solche Vereinbarungen sind nicht automatisch problematisch. Sie können den Aufbau neuer Infrastruktur beschleunigen und die Interessen der Beteiligten miteinander verbinden. Sie erschweren jedoch die Beurteilung, wie viel der Nachfrage tatsächlich von wirtschaftlich unabhängigen Endkunden ausgeht.

Der Internationale Währungsfonds hat diese Entwicklung ebenfalls untersucht. In seinem Global Financial Stability Report vom April 2026 beschreibt der IWF zunehmend verbreitete „circular financing arrangements“, bei denen KI-Entwickler, Chipunternehmen und große Technologiekonzerne gleichzeitig als Kunden, Investoren und Finanzierer auftreten. Der IWF schätzt den KI-bezogenen Kapitalbedarf bis 2029 auf rund 3,4 Billionen US-Dollar. (IMF eLibrary)

Der IWF stellt allerdings auch fest, dass die großen Hyperscaler derzeit über vergleichsweise starke Bilanzen und erhebliche freie Cashflows verfügen. Die unmittelbaren Finanzstabilitätsrisiken werden deshalb noch als begrenzt eingeschätzt. (IMF eLibrary)

Diese Differenzierung ist wichtig. Nicht jede gegenseitige Beteiligung ist der Beginn einer Krise. Sie ist aber ein Grund, genauer auf Cashflows, Verpflichtungen und wirtschaftlich unabhängige Nachfrage zu achten.

Sind Halbleiteraktien wirklich günstig?

Einige Halbleiterunternehmen erscheinen anhand ihrer aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnisse vergleichsweise günstig. Das kann jedoch täuschen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis setzt den heutigen Aktienkurs ins Verhältnis zum zuletzt erzielten oder erwarteten Jahresgewinn. Es sagt wenig darüber aus, wie nachhaltig dieser Gewinn ist. Unternehmen wie Samsung und SK Hynix erzielten in den letzten Monaten Margen von bis zu 80 % und dementsprechend hohe Gewinne. Darauf folgten Investitionen in neue Kapazitäten und ein steigendes Angebot auch von anderen Chipherstellern. Damit reduziert sich die Preissetzungsmacht der bisherigen Alleinlieferanten. Die Preise für Chips werden sinken und damit auch die Margen und die Gewinne. Chancellor spricht deshalb nicht zwingend von einer Bewertungsblase, sondern von einer möglichen Gewinnblase. Die Aktien erscheinen nur dann günstig, wenn die gegenwärtig hohen Gewinne dauerhaft erwirtschaftet werden können. Diese Unterscheidung ist für Anleger wesentlich.

Was bedeutet das für uns als langfristig orientierte Anleger?

Langfristige Vermögensplanung verlangt eine tragfähige Struktur inklusive einer breiten Streuung der Investments. Schon bisher waren in der Strategie Vermögen fürs Leben ETFs mit einer Value-orientierten weltweiten Streuung enthalten, ergänzt durch Investments in New Energy, Emerging Markets und Fonds, die in den Aufbau von Energie-Infrastruktur investieren. Solche Positionen haben trotz der erneuten Sorgen um eine Blockade der Öllieferungen durch die Straße von Hormus in den letzten Tagen nur einen bescheidenen Wertrückgang erlebt. Andere Positionen, die bis Mitte Juni eine extreme Kurssteigerung geliefert haben, gingen stärker zurück und gaben damit einen Teil ihrer vorausgegangenen Kurssteigerungen ab.

Weiterhin gilt: Kurzfristige Liquidität und langfristiges Kapital trennen

Wir werden nicht müde, immer wieder zu betonen: Liquidität, die in den nächsten Monaten benötigt wird, sollte nicht in den schwankungsanfälligen Aktienmarkt investiert werden. Jeder Investor muss eine an seinem persönlichen Liquiditätsbedarf orientierte Summe auf jederzeit verfügbaren Konten mit geringen Wertschwankungen bereithalten.

Kapital, das langfristig wachsen soll, kann dagegen kurzfristige Marktschwankungen aushalten. Die Trennung von Liquidität und Investment verhindert, dass Positionen aus dem Investment nach einem Kursrückgang zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkauft werden müssen.

Prognosen über den Wendepunkt sind extrem fehleranfällig

Wann eine Phase der Euphorie endet, lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen. Auch eine überbewertete Anlage kann noch lange weiter steigen. Umgekehrt kann ein Kursrückgang eintreten, bevor die fundamentalen Risiken allgemein erkannt werden. Eine robuste Vermögensstruktur sollte nicht davon abhängen, dass der Anleger einen Wendepunkt zielgenau trifft.

Edward Chancellor warnt vor einer möglichen Bereinigung

Edward Chancellor formuliert seine Warnung sehr deutlich. Er hält eine schwere Bereinigung im Zentrum des KI-Ökosystems für wahrscheinlich. Ob es tatsächlich zu einer „Implosion“ kommt, ist offen. Finanzmärkte sind komplex. Hohe Investitionen können sich als Überinvestition erweisen. Sie können aber auch die Grundlage für Produktivitätsfortschritte schaffen, deren Umfang heute noch unterschätzt wird.

Der Internationale Währungsfonds weist ebenfalls auf beide Seiten hin: KI-Investitionen können das globale Wachstum und die Produktivität steigern. Der Nutzen allgemeiner Basistechnologien zeigt sich jedoch häufig erst nach vielen Jahren ergänzender Investitionen, organisatorischer Veränderungen und breiter Anwendung in der Wirtschaft. (IMF)

Für uns Anleger folgt daraus keine Aufforderung zur Flucht, sondern zur Disziplin. Künstliche Intelligenz kann eine der bedeutendsten wirtschaftlichen Entwicklungen unserer Zeit sein. In der Strategie Vermögen fürs Leben werden wir den Anteil an Themen-Investments vorsichtshalber reduzieren und den Erlös in Liquidität parken, bis wieder klare Chancen auf ertragreiche Investments erkennbar sind.

Quellen und weiterführende Hinweise

Hauptquelle: Mark Dittli: „Um das Thema KI hat sich eine Blase gebildet – und sie wird implodieren“. Interview mit Edward Chancellor, The Market / Neue Zürcher Zeitung, veröffentlicht am 17. Juli 2026.

Weitere Quellen: Jeremy Grantham und Edward Chancellor: „Valuing AI: Extreme Bubble, New Golden Era, or Both“, veröffentlicht am 30. Januar 2026. Die Autoren untersuchen die gegenwärtige KI-Euphorie vor dem Hintergrund historischer Bewertungs- und Investitionszyklen. (files.advisorperspectives.com)

International Monetary Fund: Global Financial Stability Report, April 2026, Kapitel 1. Der Bericht behandelt unter anderem Kapitalbedarf, zirkuläre Finanzierungsbeziehungen, Bilanzrisiken und mögliche Ansteckungseffekte innerhalb der KI-Wertschöpfungskette. (IMF eLibrary)

Marcello Estevão: „AI Can Lift Global Growth“, Finance & Development, International Monetary Fund, März 2026. Der Beitrag ordnet die möglichen Produktivitätswirkungen der künstlichen Intelligenz sowie die Risiken eines konzentrierten Investitionsbooms ein. (IMF)

Reuters: „Wall Street banks see AI ‘super cycle’ set to boost deals, financing“, veröffentlicht am 14. Juli 2026. Der Beitrag enthält aktuelle Schätzungen zum Umfang der erwarteten KI-Investitionen. (Reuters)

Hinweise: Der Beitrag wurde unter Nutzung der Recherchen von ChatGPT erstellt und vom Autor Walter Feil in die vorstehende Fassung gebracht. Er dient der allgemeinen Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Wertpapiere, Fonds oder ETFs dar. Jede Anlageentscheidung sollte unter Berücksichtigung der persönlichen Vermögenssituation, des Anlagehorizonts, der Risikotragfähigkeit sowie der steuerlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen getroffen werden.

Walter Feil