Ausgabe 9/2026
29. September 2026
Die KI bekommt Augen – und wird zum persönlichen Begleiter
Sehr geehrte Damen und Herren,
bisher benutzen die meisten Menschen KI auf einem Bildschirm: Wir öffnen ChatGPT oder eine andere Anwendung, schreiben eine Frage und erhalten eine Antwort. Oder wir sprechen eine Frage in das Smartphone – und erhalten eine Antwort. Jetzt beginnt möglicherweise die nächste Entwicklungsstufe.
Meta hat vor wenigen Tagen auf seiner Entwicklerkonferenz Connect 2026 neue Funktionen seiner intelligenten Brillen vorgestellt. Besonders interessant ist die Meta Ray-Ban Display, die nun auch nach Deutschland kommt. Ab dem 13. Oktober soll sie hier erhältlich sein.
Die Brille verbindet Kamera, Mikrofone, Lautsprecher und ein kleines Display direkt im Sichtfeld des Trägers. Gesteuert werden kann sie unter anderem über Sprache und über das sogenannte Meta Neural Band am Handgelenk.
Meta Ray-Ban Display mit Neural Band.
Was kann eine solche Brille?
Die Brille verbindet die eigene Wahrnehmung mit künstlicher Intelligenz. Sie kann hören, was der Benutzer sagt. Sie kann über die Kamera auch erkennen, was er gerade sieht. Damit erhält die künstliche Intelligenz etwas, was bei der bisherigen Nutzung meistens fehlt: den unmittelbaren Zusammenhang.
Stellen Sie sich vor, Sie laufen durch eine fremde Stadt. Statt ständig auf Google Maps zu schauen, sehen Sie den nächsten Hinweis direkt in der Brille. Meta will die Navigation sogar an die natürliche Wahrnehmung anpassen. Statt „in 50 Metern links abbiegen“ könnte der Hinweis lauten: „Biegen Sie hinter der Apotheke links ab.“
Beim Einkaufen könnte die KI erkennen, welches Produkt Sie gerade ansehen, Informationen dazu suchen, Preise oder Bewertungen vergleichen und Ihre Einkaufsliste berücksichtigen.
Noch interessanter wird die Entwicklung durch Muse, den neuen persönlichen KI-Agenten von Meta. Meta will diesen Agenten in den kommenden Monaten auch auf seine KI-Brillen bringen. Muse soll nicht mehr nur Informationen liefern, sondern Aufgaben erledigen können. Über sogenannte Connectors kann der Agent beispielsweise auf Einkaufs-, Reise-, Zahlungs- und Produktivitätsdienste zugreifen.
Damit verändert sich die Rolle der künstlichen Intelligenz. Aus einem Programm, das wir aktiv aufrufen, wird allmählich ein Assistent, der unsere Umgebung wahrnimmt und uns durch den Alltag begleitet.
Das ist auch eine Art „ständiges Lernen“. Wir sehen etwas und fordern eine Erläuterung an. Welches historische Gebäude ist das? Wer hat früher darin gewohnt? Wie waren damals die Lebensumstände? oder: Für was kann ich dieses Produkt nutzen? Welche Alternativen gibt es? Was kostet dies hier und bei anderen Anbietern?
Für Anleger ist nicht entscheidend, ob gerade diese Brille erfolgreich wird
Es wäre aus meiner Sicht falsch, aus einer interessanten neuen Brille unmittelbar eine Anlageempfehlung für die Meta-Aktie abzuleiten. Die viel wichtigere Entwicklung liegt tiefer. Der Einsatz künstlicher Intelligenz verbreitert sich. Die enorme Rechenleistung, die in den vergangenen Jahren aufgebaut wurde, bekommt immer mehr konkrete Anwendungen.
Gleichzeitig entsteht ein weiterer Wachstumsmarkt: Sicherheit
Je selbstständiger KI-Systeme handeln können, desto wichtiger wird die Frage, was sie dürfen. Ein KI-Agent, der E-Mails lesen, Termine organisieren, Einkäufe auslösen oder auf Unternehmensdaten zugreifen kann, benötigt sehr präzise Zugriffsrechte. Es muss eindeutig feststehen, wer eine Aktion veranlasst hat, welche Daten verwendet werden dürfen und wann eine Handlung gestoppt werden muss. Damit wächst die Bedeutung von Cybersecurity, Identitätsprüfung und Zugriffskontrolle. Dies ist für mich einer der interessanten Nebeneffekte der weiteren KI-Entwicklung: Der Bedarf an Sicherheit wächst mit der Leistungsfähigkeit der Systeme.
Auch bei intelligenten Brillen wird dieser Punkt entscheidend sein. Eine Brille, die sieht und hört, was ihr Benutzer erlebt, kann außerordentlich hilfreich sein. Sie verarbeitet aber gleichzeitig sehr persönliche Informationen. Datenschutz und das Vertrauen der Nutzer werden deshalb wesentlich darüber entscheiden, wie schnell sich solche Geräte verbreiten. Reuters berichtet bereits über wachsende Datenschutzbedenken und rechtliche Auseinandersetzungen rund um KI-Brillen.
Und was macht die Börse?
Während sich diese langfristige technologische Entwicklung fortsetzt, beschäftigt die Börsen kurzfristig eine ganz andere Frage: Wie viel Öl erreicht den Weltmarkt – und zu welchem Preis?
Die großen Investoren reagieren sofort auf neue Nachrichten: Gibt es eine neue Hoffnung auf Entspannung und Öffnung der Transportwege, oder fallen wieder Bomben vom Himmel? Kurzfristig sorgt dies für Volatilität. Langfristig zählt jedoch die Entwicklung der Unternehmensgewinne.
Sehen Sie hierzu den neuesten Feil & Künzel Expertentalk Nr. 28 „Öl, Zinsen und KI-Gewinne bestimmen den Ausblick“.
Videos für Ihren Vermögensaufbau – So holen Sie das Beste raus
Video #28: Öl, Zinsen und KI-Gewinne bestimmen den Ausblick
Herzliche Grüße
Walter Feil

Walter Feil:
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