Nach den deutlichen Kurssteigerungen der vergangenen Jahre wird häufig gefragt, wie lange der Aufwärtstrend an den Aktienmärkten noch tragen kann. Entscheidend ist langfristg die Entwicklung der Unternehmensgewinne.

Die Berichtssaison für das zweite Quartal 2026 fiel in den USA ausgesprochen stark aus. Nach Daten von FactSet übertrafen 86 Prozent der bereits berichtenden Unternehmen des S&P 500 die Gewinnerwartungen. Selbst wenn außergewöhnliche Sondereffekte bei Alphabet und Amazon herausgerechnet werden, lag das Gewinnwachstum des Index bei rund 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zehn von elf Sektoren meldeten steigende Gewinne. Noch wichtiger ist, wer diese Gewinne erzielt.

In den vergangenen Jahren waren es vor allem die großen amerikanischen Technologieunternehmen, die das Gewinnwachstum dominierten. Nun wird die Entwicklung breiter. Die sogenannten Magnificent Seven steigerten ihre Gewinne im zweiten Quartal um rund 31 Prozent. Die übrigen 493 Unternehmen des S&P 500 kamen bereits auf knapp 23 Prozent. Auch Industrieunternehmen, Finanzwerte, Energieunternehmen und andere zyklische Branchen weisen inzwischen deutlich bessere Gewinntrends auf. Das ist für Anleger bedeutsam. Ein Aktienmarkt, dessen Entwicklung von vielen Branchen und Unternehmen getragen wird, steht auf einem stabileren Fundament als ein Markt, der fast ausschließlich von wenigen sehr großen Technologiekonzernen abhängt.

KI beginnt dort Geld zu verdienen, wo sie eingesetzt wird

Die erste Phase des Booms wurde vor allem von Nvidia und anderen Halbleiterherstellern, Rechenzentren, Cloud-Anbietern und den Entwicklern großer KI-Modelle geprägt. Milliarden wurden investiert, um überhaupt die notwendige Infrastruktur aufzubauen. Auf für die kommenden Quartale sind weiterhin steigende Investitionen geplant. Nun beginnt zunehmend die nächste Phase: KI wird in normalen Unternehmen eingesetzt, um Prozesse schneller, besser und kostengünstiger zu machen. Vergleichen Sie hierzu vorhergehenden Beitrag.

Gleichzeitig sinken die Kosten für die Nutzung von KI-Modellen. Mehr Wettbewerb und leistungsfähigere Systeme machen Rechenleistung und sogenannte Token zunehmend günstiger. Für Unternehmen entsteht damit eine interessante wirtschaftliche Entwicklung: Menschliche Arbeitszeit wird tendenziell teurer, während bestimmte digitale Arbeitsleistungen durch KI leistungsfähiger und gleichzeitig günstiger werden.

Der Bedarf an Rechenleistung steigt weiter

Völlig gleichgültig, ob eine KI-Anwendung von OpenAI, Microsoft, Google, Anthropic, Meta oder ein Modell aus China genutzt wird: Für jede Nutzung braucht man Rechenleistung.  Goldmain Sachs Global Institut erwartet deswegen weitere steigende Investitionen in Rechenzentren.

Die Gewinne daraus ziehen zunehmend die Unternehmen, die mit Hilfe von KI Verwaltungskosten reduzieren, Entwicklung beschleunigen, Wartung verbessern oder ihre Kundenbetreuung effizienter organisieren.

Der Aktienmarkt bekommt ein breiteres Fundament

Das Wachstum der Unternehmensgewinne verteilt sich auf mehr Branchen. Rund 75 Prozent der Unternehmen im S&P 500 notierten zuletzt oberhalb ihrer 200-Tage-Linie. Dies ist ein starker Hinweis auf die größere Marktbreite. Und die KI-Investitionswelle beginnt zunehmend Unternehmen außerhalb des klassischen Technologiesektors zu erreichen. Es sind immer mehr Unternehmen, die tatsächlich mehr verdienen.

Beitrag erstellt auf Grundlage von Recherchen der Commerzbank, FactSet, UBS und CapitalEconomics. Illustrationen von ChatGPT.

Walter Feil