Seit dem im Juli 2025 verabschiedeten US-Steuergesetz gilt für viele qualifizierte Investitionsgüter wieder eine dauerhafte 100-prozentige Sofortabschreibung. Begünstigte Wirtschaftsgüter, die nach dem 19. Januar 2025 angeschafft werden, können grundsätzlich bereits im Jahr der Inbetriebnahme vollständig steuerlich abgeschrieben werden.
Für Rechenzentren ist diese Regelung besonders wichtig. Ein erheblicher Teil der Investitionen entfällt auf kurz- oder mittelfristig abschreibbare technische Anlagen:
- Server und GPU-Systeme,
- Netzwerk- und Speichertechnik,
- Stromverteilung und teilweise elektrische Anlagen,
- Kühltechnik,
- bestimmte Notstrom- und Sicherheitssysteme,
- sonstige technische Betriebseinrichtungen.
Diese Bestandteile können – abhängig von ihrer steuerlichen Einordnung und der konkreten Konstruktion – häufig der begünstigten beweglichen oder kürzerlebigen Anlageausstattung zugerechnet werden.
Nicht das gesamte Rechenzentrum ist jedoch sofort abschreibbar. Das eigentliche Gebäude und seine gewöhnlichen strukturellen Bestandteile gelten regelmäßig als gewerbliche Immobilie und werden grundsätzlich über 39 Jahre abgeschrieben. Die IRS-Veröffentlichung nennt für gewerblich genutzte Gebäude ausdrücklich diese 39-jährige Abschreibungsdauer. In der Praxis wird deshalb eine sogenannte Cost Segregation Study vorgenommen. Dabei wird die Gesamtinvestition aufgeteilt in:
- sofort oder kurzfristig abschreibbare technische Anlagen,
- Gebäudeausstattung mit mittleren Laufzeiten,
- langfristig über 39 Jahre abzuschreibende Gebäudesubstanz.
Beispiel für den Liquiditätseffekt
Nehmen wir vereinfachend an, ein Hyperscaler investiert 100 Milliarden US-Dollar in Rechenzentrumsprojekte. Davon seien 70 Milliarden US-Dollar begünstigte technische Anlagen, die sofort abgeschrieben werden können. Bei einem US-Bundessteuersatz von 21 % ergibt sich zunächst ein möglicher Steuerentlastungseffekt von:
70 Milliarden US-Dollar × 21 % = 14,7 Milliarden US-Dollar
Hinzu können je nach Standort Steuerwirkungen auf Ebene der Bundesstaaten kommen.
Das Unternehmen hat damit nicht 14,7 Milliarden US-Dollar verdient. Es hat aber möglicherweise fast 15 Milliarden US-Dollar weniger laufende Bundessteuer zu zahlen. Diese Liquidität kann zur Finanzierung weiterer Rechenzentren verwendet werden.
Verrechnung mit dem profitablen Kerngeschäft
Für Microsoft, Alphabet, Amazon oder Meta ist der Effekt besonders wertvoll, weil sie aus ihren bestehenden Geschäften hohe steuerpflichtige Gewinne erwirtschaften:
- Microsoft aus Software, Cloud und Unternehmenslösungen,
- Alphabet aus Werbung und Cloud,
- Meta aus digitaler Werbung,
- Amazon aus Handel, Werbung und AWS (Amazon Web Services).
Die sofortige steuerliche Abschreibung der neuen KI-Infrastruktur kann die steuerpflichtigen Gewinne dieser bestehenden Geschäftsbereiche reduzieren. Wirtschaftlich entsteht dadurch eine Art zinsloser Finanzierungseffekt durch den Fiskus:
- Das Unternehmen investiert heute.
- Es erhält die steuerliche Entlastung weitgehend sofort.
- Die Rechenzentren erzeugen erst später zusätzliche Umsätze.
- Die eingesparte Steuer bleibt zunächst als Liquidität im Unternehmen.
Das macht großvolumige KI-Investitionen erheblich leichter finanzierbar.
Die Investition wird nicht dauerhaft vom Staat bezahlt
Die Sofortabschreibung ist überwiegend eine zeitliche Vorverlagerung der Steuerentlastung. Normalerweise würden die Anschaffungskosten über mehrere Jahre verteilt abgeschrieben. Bei der Bonusabschreibung wird der größte Teil dieser Abschreibung in das erste Jahr vorgezogen. In späteren Jahren stehen dann entsprechend weniger Abschreibungen zur Verfügung. Ökonomisch entsteht daher vor allem ein Liquiditätsvorteil, ein Zinsvorteil, eine Verbesserung des Kapitalwerts der Investition und eine zeitliche Verschiebung der Steuerzahlung. Der Effekt ist besonders groß, wenn das Unternehmen dauerhaft hohe steuerpflichtige Gewinne erzielt und die Abzüge sofort nutzen kann.
Steuerlicher Gewinn und ausgewiesener Unternehmensgewinn unterscheiden sich
Die steuerliche Sofortabschreibung bedeutet nicht automatisch, dass der gesamte Investitionsbetrag auch in der handelsrechtlichen beziehungsweise nach US-GAAP ermittelten Gewinn- und Verlustrechnung sofort als Aufwand erscheint. In der Konzernbilanz werden Rechenzentren, Server und technische Anlagen weiterhin über ihre wirtschaftliche Nutzungsdauer abgeschrieben. Die Differenz zwischen steuerlicher Sofortabschreibung und bilanzieller Abschreibung führt regelmäßig zu latenten Steuerverbindlichkeiten. Daraus folgt:
- Der steuerpflichtige Gewinn kann stark sinken.
- Der ausgewiesene operative Gewinn sinkt nicht im gleichen Umfang.
- Der Cashflow nach Steuern verbessert sich zunächst.
- In späteren Jahren kehrt sich ein Teil des Steuervorteils wieder um.
Zusätzlicher Vorteil bei Forschung und Softwareentwicklung
Seit 2025 können inländische US-Forschungs- und Entwicklungsausgaben grundsätzlich ebenfalls wieder unmittelbar steuerlich abgezogen werden. Das betrifft unter anderem bestimmte Aufwendungen für Softwareentwicklung und KI-Forschung. Die großen KI-Unternehmen profitieren somit potenziell auf zwei Ebenen:
- Sofortabschreibung vieler Hardware- und Infrastrukturinvestitionen
- Sofortiger Abzug inländischer Forschungs- und Entwicklungskosten
Gesamtbeurteilung
Die steuerlichen Regeln sind ein wichtiger, aber in der öffentlichen Diskussion häufig unterschätzter Bestandteil der KI-Investitionswelle. Sie verändern die wirtschaftliche Rechnung deutlich:
Ein Hyperscaler muss ein Rechenzentrum zwar vollständig bezahlen. Durch die sofortige steuerliche Berücksichtigung großer Teile der Investition sinkt jedoch kurzfristig seine Steuerzahlung. Ein Teil des eingesetzten Kapitals fließt dadurch über geringere Steuerzahlungen unmittelbar an das Unternehmen zurück.
Die Regelung erklärt deshalb mit, warum die großen US-Technologiekonzerne Investitionsprogramme von mehreren hundert Milliarden US-Dollar finanzieren können, ohne dass ihre Liquiditätslage im gleichen Umfang belastet wird.
Sie beseitigt allerdings nicht das eigentliche unternehmerische Risiko: Die Rechenzentren müssen langfristig genügend Umsatz und Gewinn erwirtschaften. Der Steuervorteil verbessert die Finanzierung und erhöht den Kapitalwert – er ersetzt aber keine ausreichende Rendite auf das investierte Kapital.
Hinweis: dieser Beitrag wurde nach Eingabe einiger von mir formulierten Fragen zu den aktuellen steuerlichen Regeln in den USA von ChatCPT erstellt.
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