Die sich aus dem Ukraine-Konflikt ergebenden Risiken führten in 2014 bereits zu einer starken Beeinträchtigung der Anlagemärkte. Der russische Rubel (als Beispiel) verlor über die Hälfte seines Außenwertes. Weniger im Fokus standen bisher die Entwicklungen in den weiteren Staaten von „Emerging Europe“. Hier entstehen an drei Stellen neue Risiken in 2015:

  1. Türkei: Präsident Erdogan strebt für die Parlamentswahlen im Juni 2015 eine breite Mehrheit an, was ihm die Möglichkeit verschaffen könnte, die Verfassung zu ändern und damit die Macht der Präsidentschaft auszuweiten. Um seine Popularität zu erhöhen, könnte er geneigt sein, alles zu unternehmen, um den Rückgang des Wirtschaftswachstums und den Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern. Dies könnte zu mittelfristig unvernünftigen Entscheidungen führen, zum Beispiel über den einen Druck auf die Zentralbank, die Zinsen zu senken und eine erneute Ausweitung des Leistungsbilanzdefizites zu fördern. Erdogan zeigt eine Neigung zu einem autoritären Regierungssystem.
  2. Ungarn: Der Hang zu einem autoritären Regierungsstil könnte auch die Entscheidungen der ungarischen Regierung dazu führen, vor der Wahl Maßnahmen in Gang zu setzen, die mehr der Erhöhung der eigenen Popularität als einer langfristig positiven Entwicklung der Wirtschaft dienen. Der Mangel an ausländischen Investoren ist heute schon ein wesentlicher Grund, warum die Wirtschaft im Land nur unterdurchschnittlich wächst.
  3. Polen: in Polen läuft die Wirtschaft gut. Die Wahlen in Polen im Oktober 2015 könnten jedoch zu einer Stärkung der populistischen „Law and Justice“ – Partei führen. Ein Regierungswechsel könnte die Märkte verunsichern.

Fazit:
Diese Risiken haben sicherlich nicht die gleiche Bedeutung wie die Russland-Ukraine-Krise in 2014. Wir sollten die Entwicklung trotzdem berücksichtigen, wenn wir über Investments in den „Emerging Markets Europe“ nachdenken.

Quelle: CE, London

Walter Feil
EmailPrint