Wasserstoff gehört zu den spannendsten Themen der Energiewende. Er kann dort helfen, wo Strom allein nicht ausreicht: in der Stahlindustrie, Chemie, Raffinerien, Schifffahrt, Luftfahrt, beim Schwerlastverkehr und bei der saisonalen Energiespeicherung.

An der Börse ist Wasserstoff jedoch kein einfaches Investment. Viele Wasserstoffaktien sind nach dem Hype der Jahre 2020/2021 stark gefallen. Zu hoch waren damals die Erwartungen, zu langsam kamen die Umsätze, zu groß blieben die Verluste vieler Unternehmen. Zuletzt sind Wasserstoff-Fonds und -ETFs wieder deutlich gestiegen. Das macht das Thema interessant, aber nicht automatisch risikoarm.

Eine ganze Wertschöpfungskette

Wasserstoff ist nicht nur ein einzelnes Produkt. Dahinter steht eine komplette industrielle Kette: Energieerzeugung, Elektrolyse, Aufbereitung, Verdichtung, Speicherung, Transport, Umwandlung in Ammoniak oder Methanol und schließlich die Anwendung in Industrie, Mobilität und Stromversorgung.

Schaubild erstellt von ChatGPT

Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen etablierten Unternehmen und reinen Hoffnungsträgern. Linde, Air Liquide, Air Products, Siemens Energy, Technip Energies oder Cummins verdienen bereits heute Geld in Bereichen, die mit Wasserstoff verbunden sind. Bei spezialisierten Unternehmen wie Plug Power, Nel, ITM Power, Ballard, Ceres Power, thyssenkrupp nucera oder Bloom Energy ist der Hebel größer, aber auch das Risiko deutlich höher.

Warum die Kurse wieder steigen

Der jüngste Kursanstieg hat mehrere Gründe. Staaten fördern Wasserstoffprojekte, Europa baut Infrastruktur auf, und in den USA helfen steuerliche Anreize für sauberen Wasserstoff. Zusätzlich entsteht ein neuer Treiber: der enorme Strombedarf von KI-Rechenzentren. Dezentrale Energielösungen, Brennstoffzellen und Wasserstofftechnologien werden deshalb wieder stärker beachtet.

Ein Teil der Kurssteigerungen ist also fundamental erklärbar. Ein anderer Teil ist aber auch neue Börsenfantasie. Genau hier liegt das Risiko: Wenn Erwartungen schneller steigen als Umsätze und Gewinne, können starke Rückschläge folgen.

Welcher ETF passt zu Strategie „Vermögen fürs Leben“?

Für die Strategie „Vermögen fürs Leben“ gelten zwei Ziele: langfristig besser abschneiden als der MSCI World und gleichzeitig die Drawdowns begrenzen. Unter dieser Vorgabe passt kein Wasserstoff-ETF wirklich als Kerninvestment. Die ETFs sind sämtlich sehr schwankungsreich.

Fazit: Wasserstoff ja, aber dosiert

Wasserstoff bleibt ein langfristig relevantes Industriethema. Die Chancen liegen vor allem dort, wo Elektrifizierung schwierig ist: Industrie, Schwerlast, Schifffahrt, Luftfahrtkraftstoffe und Energiespeicherung. Wir werden bei nächster Gelegenheit einen ETF auf einen Index der „Hydrogen-Industry“ in die Anlagestrategie einbauen.

Walter Feil