Wenn wir an Raumfahrt denken, sehen wir Raketenstarts, Astronauten im All oder Bilder vom Mars. Doch als Investor sollten wir weniger auf die spektakulären Bilder schauen – und mehr auf die wirtschaftliche Substanz dahinter.

Denn Raumfahrt ist heute keine reine Vision mehr. Sie entwickelt sich zu einer strategischen Infrastrukturbranche. Und genau dort beginnt es für uns interessant zu werden.

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Raumfahrt ist längst Teil unseres Alltags

Navigation im Auto. Wetterprognosen. Satelliteninternet. Globale Finanztransaktionen mit präzisen Zeitstempeln. Moderne Landwirtschaft. Katastrophenüberwachung. All das funktioniert nur, weil Satelliten über unseren Köpfen arbeiten. Was früher ein Prestigeprojekt einzelner Staaten war, ist heute digitale Grundversorgung. Raumfahrt ist keine ferne Zukunft – sie ist Infrastruktur. Und Infrastruktur ist für uns als langfristige Anleger grundsätzlich interessant.

Vom Staatsprojekt zum Wirtschaftszweig

Die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA arbeitet inzwischen eng mit privaten Unternehmen zusammen. Firmen wie SpaceX haben mit wiederverwendbaren Raketen die Startkosten dramatisch gesenkt. Das verändert die gesamte Branche. Sinkende Startkosten bedeuten mehr Satelliten, kürzere Innovationszyklen und neue Geschäftsmodelle. Hier entsteht ein Ökosystem, ähnlich wie in der Frühphase des Internets – nur diesmal im Orbit.

Die wirtschaftlichen Treiber

Drei Kräfte wirken hier besonders stark.

Erstens die Digitalisierung. Erdbeobachtungsdaten werden mit künstlicher Intelligenz ausgewertet. Energieunternehmen, Versicherer, Logistikfirmen oder Staaten greifen auf diese Daten zurück. Aus Satellitenbildern entsteht ein eigenständiger Datenmarkt.

Zweitens die geopolitische Realität. Satellitenkommunikation und Aufklärung sind sicherheitsrelevant. Verteidigungsbudgets steigen weltweit. Raumfahrt ist längst Teil nationaler Strategien geworden.

Drittens die langfristige Vision. Programme wie das Artemis-Programm der NASA zielen auf eine dauerhafte Mondpräsenz. Themen wie In-Situ-Ressourcennutzung, private Raumstationen oder Weltraumtourismus sind noch Zukunft – aber sie eröffnen neue industrielle Wertschöpfungsketten. Für Anleger heißt das: Hier entsteht kein kurzfristiger Hype, sondern ein struktureller Trend.

Stimmen von internationale Experten

Mehrere unabhängige Institutionen und Investmenthäuser kommen – bei unterschiedlichen Annahmen – zu einem bemerkenswert ähnlichen Ergebnis: Die Raumfahrtbranche steht vor einem strukturellen Wachstumsschub.

Studien von WEF und McKinsey gehen davon aus, dass die globale Space Economy von rund 630 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 auf etwa 1,8 Billionen US-Dollar bis 2035 wachsen könnte. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von rund neun Prozent. Auch die Bank of America erwartet, dass die Branche bereits bis 2030 die Marke von einer Billion US-Dollar überschreiten kann – bei zweistelligen Wachstumsraten in einzelnen Segmenten.

Marktforscher wie Novaspace prognostizieren ebenfalls einen kräftigen Anstieg von aktuell knapp 600 Milliarden US-Dollar auf nahezu eine Billion US-Dollar innerhalb der kommenden Dekade. Goldman Sachs sieht insbesondere im Satellitenmarkt erhebliche Dynamik – mit einem möglichen Wachstum von 15 auf über 100 Milliarden US-Dollar bis 2035, in optimistischen Szenarien sogar deutlich darüber.

Morgan Stanley betont vor allem die strategische Bedeutung von Satelliten-Breitband und vernetzten Diensten und sieht langfristig ebenfalls das Potenzial für eine Billionenindustrie.

Schaubild: Erwartungen der Experten zum Umsatzwachstum in der Raumfahrttechnik

Was dabei auffällt: Die größten wirtschaftlichen Chancen liegen nicht im Raketenbau selbst. Sie entstehen vielmehr in Satellitenkommunikation, Navigation, Erdbeobachtung, Datenanalyse sowie in verteidigungsnahen und infrastrukturellen Anwendungen.

Für uns als Anleger ist das ein entscheidender Punkt. Die eigentliche Wertschöpfung entsteht weniger im spektakulären Start – sondern in den dauerhaft nutzbaren Diensten, die im Orbit bereitgestellt werden. Genau dort wird entschieden, ob aus einer Vision eine nachhaltige Renditequelle wird.

Es bleibt ein anspruchsvolles Investmentfeld

Raumfahrt ist kapitalintensiv. Technologische Entwicklung braucht Zeit. Politische Entscheidungen beeinflussen Projekte. Bewertungen einzelner Unternehmen können stark schwanken. Wer hier investiert, braucht Geduld – und Struktur.

Nicht jedes Unternehmen wird gewinnen. Nicht jede Vision wird Realität. Aber der Sektor als Ganzes wächst. Deshalb stellt sich weniger die Frage, welche einzelne Aktie zum Gewinner wird, sondern vielmehr, wie wir diesen strukturellen Trend im Portfolio abbilden können.

In der aktiv verwalteten Strategie „Vermögen fürs Leben“ ist dieser Teil unserer Wirtschaft bereits mit einem Anteil von 5 % investiert. Im Rechtsrahmen einer steuerbegünstigten Versicherung bleibt der Wertzuwachs langfristig steuerfrei.

Walter Feil