In Indien begannen am Dienstag dieser Woche massive Streiks in den Kohleminen. Fünf Gewerkschaften, die die Arbeiter der staatseigenen Coal India vertreten, wollen damit verhindern, dass die bisher von Coal India dominierte Kohleproduktion auch für private Unternehmen freigegeben wird. Sie befürchten vor allem Entlassungen.

Am späten Mittwochabend stellten die Gewerkschaften den Streik jedoch mit sofortiger Wirkung ein, nachdem Regierungsvertreter und Gewerkschaftsführer sich in Krisengesprächen angenähert hatten. Erste Nachrichten, gemäß denen der Energie-Minister Piyush Goyal zugesichert haben soll, dass es keine Pläne zur Liberalisierung des Kohlesektors gäbe, zeigen an, wie schwierig die Umsetzung dieser dringend benötigten Reformen ist.

Stromproduktion in Indien hängt zu sechzig Prozent von Kohlekraftwerken ab

Indiens Stromversorgung hängt zu sechzig Prozent von Kohlekraftwerken ab. (Grafik links) Coal India ist jedoch seit Jahren nicht mehr in der Lage, den inländischen Bedarf an Kohle zu decken. Dies ist eine der Hauptursachen für die häufigen Stromausfälle, die die wirtschaftliche Entwicklung in Indien massiv behindern. (Grafik rechts)

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Stromproduktion in Indien

Stromproduktion in Indien

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Kohleproduktion in Indien

Kohleproduktion in Indien

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Kohleproduktion soll bis 2020 verdoppelt werden

Die indische Regierung strebt an, die Kohleförderung vom gegenwärtigen Niveau von einer Milliarde Tonnen bis zum Jahr 2020 zu verdoppeln, um den weiter wachsenden Bedarf zu decken. Die Umsetzung von Reformen erscheint jedoch nicht so einfach, wie der Streik diese Woche deutlich zeigte. Auch wenn eine Teilprivatisierung der Kohleproduktion angegangen würde, erscheint es zweifelhaft, dass ausländische Investoren in großem Umfang einsteigen. Die Rahmenbedingungen sind schwierig, die Macht der Gewerkschaften groß und das Preisniveau gering. Ironischerweise wird der Betrieb der Kohleminen häufig durch Stromausfälle behindert. Damit verbleibt ein zunächst noch düsterer Ausblick bezüglich wirksamer Reformen in diesem Bereich.

Fazit:
Die Erwartungen an den neuen indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi bleiben weiter hoch. Wenn er Reformen umsetzen kann, wird dies zu nachhaltigen Kurssteigerungen an der indischen Börse führen. Enttäuschungen werden die Investoren ebenso schnell wieder zu Rückziehern veranlassen. Die indische Börse bleibt chancenreich, jedoch hoch volatil.

 

Walter Feil
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