ELTIF: Private Equity für Privatanleger

Geposted von Walter Feil am

Unter „Private Equity“ versteht man Beteiligungskapital von privaten und institutionellen Investoren an Unternehmen, die (noch) nicht an einer Börse gelistet sind und deswegen noch nicht öffentlich gehandelt werden. Fast 15 Milliarden Euro flossen in Deutschland in den Markt von Private Equity.

Diese frühe Phase eines wachsenden Unternehmens ist fast immer die Zeit, in der prozentual der größte Wertzuwachs entsteht. Da diese Phase eines Startups auch das größe Risiko mit sich bringt (nicht alle Startups werden zu einer „Microsoft“, viele schaffen es nicht, aus der Startphase herauszukommen), verteilen die professionellen Großinvestoren ihr Investmentvolumen für solche Hoffnungsträger auf zahlreiche Startups mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen. Bei zwanzig Investments dieser Art reichen in der Regel schon fünf wirklich erfolgreiche, um das Gesamtportfolio zu einem überdurchschnittlichen Erfolg werden zu lassen.

Vor etwa zwanzig Jahren befasste ich mich mit diesem Markt sehr tief. Es gab jedoch keine Möglichkeit für private Anleger, mit kleineren Summen an diesen Chancen-Investments teilzuhaben. Stattdessen gab es im sogenannt „grauen Kapitalmarkt“ mehrere Private Equity Funds, an denen sich Privatanleger gnädigerweise als Co-Investoren neben einigen professionellen Großanlegern beteiligen durften. Jedoch waren diese Art von Fonds fast immer mit doppelten und dreifachen Gebührenstrukturen belastet. Sie richtig überzeugend war dies nicht.

ELTIF: Private Equity jetzt auch kostengünstig für private Anleger

ELTIF ist die Abkürzung für „European Long Term Investment Fund“. Dies ist die Bezeichnung für einen von der Europäischen Aufsicht regulierten Fondstyp, der es jetzt auch Privatanlegern ermöglicht, in den Markt für Private Equity zu investieren, und dies auch schon mit kleineren Summen und im Rahmen einer kundenfreundlichen Gebührenstruktur. Die wesentlichen Merkmale eines ELTIF sind:

  • Er investiert mindestens 70 % in den Bereichen Infrastruktur, Unternehmensbeteiligungen, Fremdkapitalfinanzierung und langfristige Immobilieninvestitionen, z.B. Krankenhäuser, Justizvollzugsanstalten, Studentenwohnheime. Alle diese Investments sind Langfrist-Investments und damit für die geplante Investitionsdauer nicht liquide.
  • Jede Investition erfolgt direkt. Das heißt: die von früher bekannten mehrstufigen Gebührenstrukturen entfallen, es gibt nur eine Ebene. Der ELTIF, in den die Privatanleger einzahlen, erwirbt die Investments direkt, ohne Zwischenschaltung weiterer kostenverursachender Funktionsträger.
  • Jede Investition beträgt mindestens 10 Millionen Euro.
  • 30 % des zugeflossenen Anlegergeldes dürfen in UCITS investiert werden, das heißt in marktübliche Investmentfonds, wie wir diese seit vielen Jahren kennen. Damit kann der ELTIV das von den Anlegern zugeflossene Geld kurzfristig in hochliquide Aktienfonds oder Geldmarktfonds parken, je nach Markteinschätzung, bis sich jeweils die nächste Gelegenheit für ein Private Equity Investment (mindestens 10 Millionen Euro!) ergibt.
  • Es gibt ein absolutes Kaskadenverbot, was gebührentreibende Dachfonds-Konstruktionen verhindert.

Laufzeit ähnlich wie bei einem AIF

Ähnlich wie bei einem AIF (Alternativen Investmentfonds, z.B in Wohn-Immobilien) wird vom Initiator für jeden ELTIF (Long Term Investment Fonds) eine feste Laufzeit vorgegeben. Diese wird in der Regel etwa 10 Jahre betragen. In dieser Zeit sind vorzeitige Rückgaben der Anteile nicht möglich bzw. stark limitiert.

Nur für Privatanleger mit ausreichendem Gesamtvermögen

Anlegen dürfen Privatanleger, die insgesamt über ein Portfolio (= liquides Vermögen) von mehr als Euro 500.000 verfügen, aber auch schon Anleger mit einem Portfolio von insgesamt nur 100.000 Euro, dann aber nur mit maximal 10 % ihres Portfolios.

Politischer Hintergrund

Die EU hat mit diesem Regelwerk endlich die Tür geöffnet, dass auch kleinere und mittlere Unternehmen (KMUs), die noch nicht an der Börse notiert sind, durch Investitionen von privaten Anlegern finanziert werden können. Dies ist auch dringend erforderlich, und dies zum Vorteil von beiden Seiten:

  • Die KMUs erhalten damit Kapital in einer frühen Phase ihres Wachstums
  • Private Anleger erhalten damit eine weitere Alternative zu den nicht mehr rentablen Staatsanleihen und können mit einem breit gestreuten „KMU“ – Bestand langfristig Vermögen aufbauen, während gleichzeitig das Ausfallrisiko durch die Vielzahl an Beteiligungen gemildert wird.

 

Walter Feil
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