China: kleinere Firmen sollen leichter Kredit erhalten

Geposted von Walter Feil am

Kleinere Firmen in China leiden schon seit langem unter der schier übermächtigen Konkurrenz der SOEs (StateOwnedEnterprises = Staatseigene Betriebe). Diese Staatsbetriebe wurden bei der Auftragsvergabe bevorzugt und erhielten von den ebenfalls staatseigenen Banken nahezu unbegrenzten Kredit. Kleinere Firmen mit privaten Eigentümern dagegen war der Zugang zu Krediten von den Staatsbanken meist versperrt. Sie mussten sich im sogenannten „Schattenbankensystem“ häufig zu deutlich höheren Zinssätzen finanzieren. Dies soll sich nun ändern.

Ausleihungen an Staatsbetriebe werden zunehmend kritischer hinterfragt

Wenn bisher die Finanzierung von Staatsbetrieben häufig recht unkritisch erfolgte („… wenn die Finanzierung keinen wirtschaftlichen Erfolg hat, so werden damit zumindest Arbeitsplätze gesichert …“), legt die Politik den Entscheidungsträgern in den staatseigenen Banken immer mehr Zügel an: über die Ausleihungen an Staatsbetriebe muss jetzt  auch gemäß wirtschaftlichen Gesichtspunkten entschieden werden. Hat das zu finanzierende Projekt wirtschaftlich gute Chancen? Ist das Risiko für die Bank tragbar?

Die Karriere von Bankmanagern hängt immer häufiger davon ab, ob ihre Kreditentscheidungen – auch bei Ausleihungen an Staatsbetriebe – unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten vertretbar sind. Damit wird der Finanzierung von wirtschaftlich unsinnigen Prestigeprojekten ein Riegel vorgeschoben. Das Kapital soll gemäß dem erklärten Willen der Politik in sinnvolle Projekte fließen, die entsprechende Rendite erwirtschaften.

Ausleihungen an private Firmen sollen ausgeweitet werden

Auch in China werden von den privat geführten kleineren Unternehmen, vor allem im Dienstleistungssektor, deutlich mehr Arbeitsplätze geschaffen als von den großen Staatsbetrieben. Die Erweiterung des Arbeitsplatzangebotes und damit die Erhöhung des Lebensstandards für einen fortlaufend wachsenden Anteil der Bevölkerung steht im Zentrum der chinesischen Politik. Vor diesem Hintergrund ist die neue Tendenz gut zu verstehen: „Small- and MidCaps“ (kleinere und mittlere Unternehmen), die vorwiegend durch private Unternehmer gegründet und erfolgreich geführt werden, sollen deutlich besseren Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten erhalten. Dies wird die Expansion dieses Unternehmensbereiches fördern.

Unwirtschaftliche Unternehmen sollen nicht mehr endlos unterstützt werden

Gleichzeitig soll die Expansion von Unternehmen, die bisher schon unwirtschaftlich gearbeitet haben, nicht mehr endlos unterstützt werden. Der Markt soll sich bereinigen. Unternehmen, die in Branchen mit Überkapazitäten tätig sind, werden zunehmende Schwierigkeiten erleben – bis hin zur Insolvenz, die künftig als ein normaler Prozess der Marktkorrektur betrachtet wird. Die Finanzierungsmittel sollen eher – siehe oben – in aufstrebende Unternehmen und in Branchen mit Expansions-Chancen fließen.

Kommentar:
Während meiner jüngsten China-Reise Ende Mai 2014 wurde diese Entwicklung bei zahlreichen Präsentationen und Gesprächen offenkundig. Für zukunftsträchtige Branchen wie IT-Dienstleistungen und Maschinenbau werden ganze Industrieparks vorbereitet und „Ready-to-Go“ bereitgestellt. Investitionswillige Unternehmen werden umworben, mit „On-Stop-for-All“- Behördenstellen unterstützt und bereitwillig finanziert. In anderen Regionen sterben Städte aus, die in den vergangenen Jahren einseitig auf heute nicht mehr konkurrenzfähige Bereiche gesetzt hatten, wie die Textilproduktion (jetzt wachsend in Vietnam, Bangladesh und Kambodscha) oder die Produktion von billigen Plastikteilen.

Für die Auswahl von Investments bedeutet dies, für die nächsten Jahre eher auf Fonds zu achten, die mit tiefen Erfahrungen als Stockpicker in der Lage sind, sich schnell auf die veränderten Rahmenbedingungen einzustellen.

Walter Feil
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