Ausblick: Die Anlagemärkte per Januar 2020

Geposted von Walter Feil am

Mit Bezug auf das Aktienjahr 2019 werden zahlreiche Beiträge erscheinen, die 2019 als ein „hervorragendes  Börsenjahr“ beschreiben. Das ist rein statistisch absolut richtig: vom 1.1. bis 31.12.2019 sind zahlreiche Börsen kräftig gestiegen, einige sogar deutlich über 30 %. Auch der Weltaktienindex legte (aus Sicht eines Euro-Anlegers) um über 30 % zu.

Dieses Bild täuscht jedoch über die längeren Zusammenhänge. Die starke Erholung der Kurse in den ersten drei Monaten 2019 waren nichts anderes als eine technische Erholung nach dem starken Rückgang aller Börsen in den vorangegangenen drei Monaten. Vergleichen Sie hierzu die Entwicklung unter Einschluss der letzten drei Monate 2018. Die folgende Grafik zeigt den Weltaktienindex vom 1.10.2018 bis 31.12.2019.

Das relativiert den Eindruck für das Börsenjahr 2019. Der Weltindex steht per Ende 2019 etwa 14 % über dem Stand vom 1. Oktober 2018. Das ist immer noch ein sehr gutes Ergebnis, aber eben kein Hype von 30 % oder mehr, was die Vermutung von einem alsbaldigen Rückgang schüren würde.

Damit wären wir beim Ausblick für das Jahr 2020. Wir befassen uns immer noch mit den gleichen Themen wie in den letzten Monaten:

  • Die Behinderung des globalen Handels durch Zölle und Sanktionen.
    Die Auseinandersetzung zwischen den USA und China wird weitergehen, auch wenn jetzt mal eine „Phase-1-Vereinbarung“ verhandelt wurde. Die Börsianer werden weiterhin nervös auf jeden Tweet von Donald Trump, auf jeden Kommentar, auf jede Geste Chinas reagieren und ihre Positionen je nach Änderung ihrer Erwartungshaltung ausbauen oder verringern. Das wird weiterhin für schwankende Kurse sorgen.
  • Der Brexit, der nach der Wahl nun im Detail zu Ende verhandelt werden muss.
    Vermutlich werden sich sowohl der Wechselkurs des GBP als auch die Börsenkurse im Wirtschaftsraum des Vereinigten Königreichs nach oben bewegen, nachdem die Sorgen der Börsianer vorher zu tiefen Kursen geführt haben.
  • Weiterhin politische Unsicherheiten an zahlreichen Standorten.
    Die Gesamtentwicklung der Weltbörsen wird davon relativ wenig beeinflusst.
  • Die Geldpolitik der Notenbanken.
    Das ist das zentrale Thema, das die Börsen am meisten bewegt. Weiterhin wird die Geldpolitik, vor allem die Verfügbarkeit von Liquidität, die Aktienkurse stark beeinflussen. Niedrige Zinsen treiben Bargeldbesitzer in Sachwerte wie Immobilien und Aktien. Hohe Liquidität unterstützt die Aktienkurse.

Positive Aussichten für den Beginn von 2020

Seit Anfang Oktober 2019 überwiegen die positiven Aussichten für die Börsen: Die Notenbanken haben erneut begonnen, sehr viel Liquidität in die Märkte zu schieben (EZB 20 Milliarden monatlich, Fed 60 Milliarden USD monatlich, PBoC mit zahlreichen Lockerungsmaßnahmen der Geldpolitik, …), an den Fronten des sogenannten Handelskriegs zwischen den USA und China wurde die Friedenspfeife entzündet, das Chaos um den Brexit scheint beendet. Und die Weltwirtschaft taucht nicht in eine Rezession ab, wie einige mit ihren Büchern und Vorträgen extrem gut verdienende Crash-Gurus mal wieder prophezeien.

Auch geht die Weltwirtschaftsleistung nicht zurück. Die Weltwirtschaft schrumpft nicht. Sie wächst langsamer als in den Vorjahren, aber sie wächst weiter.

Die Aussichten für das Gesamtjahr 2020

Capital Economics, der vielfach prämierte unabhängige Analysedienst, veröffentlichte am 23. Dezember seine Key Market Calls für das Jahr 2020. Hier die wichtigsten Prognosen (natürlich unverbindlich) in einer übersetzten Kurzfassung:

Wirtschaftswachstum

  • Bleibt 2020 weltweit schwach und wird sich ungleichmäßig auf die wichtigsten Wirtschaftsregionen verteilen
  • Wird in den USA im Vergleich zu anderen Regionen relativ besser sein
  • Bleibt in Europa „anämisch schwach“.
  • Wird in China weiter abnehmen

Handelskonflikte

  • Der gerade bejubelte „Phase-1“ Deal zwischen den USA und China löst die Spannungen zwischen den beiden Ländern nicht. Diese können leicht wieder aufflammen.

Geldpolitik

  • Fed wird 2020 keine weitere Zinssenkungen vornehmen. Ankaufprogramm 60 Milliarden USD monatlich läuft.
  • EZB wird Geldpolitik weiter lockern. Ankaufprogramm 20 Milliarden Euro monatlich läuft.
  • PBoC wird Geldpolitik ebenfalls weiter lockern und damit die Wirtschaft stimulieren.
  • Weitere Zentralbanken in Europa und in den Schwellenländern werden ihre Geldpolitik lockern.
  • RBA in Australien wird ein QE (Ankaufprogramm) starten.

Aktienmärkte

  • Sowohl Anleihen als auch Aktien werden 2020 weniger gut abschneiden als 2019 (bitte ergänzend beachten: die starke Erholung der Aktienmärkte in den ersten drei Monaten 2019 war eine direkte Folge des starken Kursrückgangs in den letzten drei Monaten 2018. Insofern sollte diese Erholungsphase nicht überbewertet werden.)
  • Die Outperformance von US-Aktien könnten je nach Ausgang der US-Wahlen ein Ende haben, wenn ein Kandidat gewinnt, dessen Programm sich negativ auf Aktien auswirken wird.
  • In GB wird die Bewertungslücke von Aktien zu anderen Industrieländern geschlossen. Dies führt zu einer Outperformance von UK-Aktien.
  • In Indien performen Aktien besser als in anderen EM-Regionen.
  • In China und in anderen asiatischen Ländern bleiben die Aktienmärkte zurück.

Währungen

  • Der USD wird gegenüber dem Euro weiter aufwerten

Die Prognosen für 2020 in Zahlen

Abschließend präzisierte Capital Economics seine Erwartungen für 2020 in konkreten Zahlen, die ich hier auszugsweise aufgreife. Bitte berücksichtigen Sie: Dies sind Prognosen, Erwartungen, Kalkulationen, basierend auf dem Informationsstand von Mitte Dezember 2019. Selbstverständlich werden sich laufend neue Informationen und damit eine Anpassung dieser Prognosen ergeben. Die Zahlen lassen jedoch eine gewisse Tendenz erkennen, und diese lässt optimistisch auf 2020 blicken.

Die folgenden Angaben drücken jeweils drei Werte aus, nämlich:

  • Wert per 23.12.2019
  • Wert erwartet per Ende 2020
  • Wert erwartet per Ende 2021

Aktienmärkte

  • US – S&P 500: 3.221 – 3.300 – 3.500
  • Deutschland: – Dax 30: 13.301 – 13.900 – 14.500
  • UK – FTSE 100: 7.617 – 8.000 – 8.700
  • Japan – Nikkei 225: 23.831 – 25.000 – 26.000
  • Emerging Markets – MSCI: 61.333 – 57.300 – 58.800
  • Emerging Asia MSCI: 911 – 830 – 840
  • Latin America – MSCI: 100.540 – 101.000 – 106.00
  • Europe, Middle East & Africa – MSCI: 549 – 550 – 565

Zinsen für 10-jährige Staatsanleihen

  • USA: 1,92 % – 2,00 % – 2,00 %
  • Germany: – 0,25 %, – 0,50 %, -0,50 %
  • Japan: 0,01 % – 0,00 5 – 0,00 %

Wechselkurse

  • USD zu Euro: 1,11 – 1,05 – 1,05

In Worten zusammengefasst zeichnen diese Zahlen folgendes Bild:

  1. Die Aktienkurse in den USA werden leicht zulegen. Wenn die Vorhersage zum Wechselkurs aufgeht und die Dividenden mit berücksichtigt werden, wird ein Investment in den US-Aktienmarkt auch 2020 ertragreich sein.
  2. Deutschland mit seinem Dax (und dem MDax …) wird ebenfalls steigende Kurse erleben.
  3. UK wird seine Unterbewertung aufholen und stark zulegen.
  4. Die Emerging Markets als Gesamtheit erleiden Kursrückgänge. Indien könnte besser laufen.
  5. Die Zinsen bleiben niedrig.
  6. Der USD wertet gegenüber dem Euro auf.

Wie gesagt – das sind Prognosen. Sie können sich jederzeit ändern. Und wir werden weiterhin eine hohe Schwankungsintensität an den Börsen erleben.

Wie in den Vormonaten:
Wir können den Markt nicht genau timen

Wie in den Vormonaten wiederhole ich die grundsätzliche Empfehlung: Wir wissen nicht genau, ob und wann die Kurse von Aktien und Anleihen die Richtung drehen. Alle bekannten Probleme und Hemmnisse der wirtschaftlichen Entwicklung sind in den Kursen eingepreist. Überraschungen können die Aktienkurse in beide Richtungen in Bewegung setzen. Deswegen wiederhole ich den Hinweis, dass jeder Anleger seine Allokation gemäß seinem eigenen Temperament, vor allem jedoch mit Blick auf die noch verbleibende (Rest-) Anlagedauer, zusammenstellen muss.

Unverändert:
Drei Möglichkeiten der Allokation für die kommenden Wochen

An meinen Empfehlungen, die eigene Allokation auf diese Verhältnisse einzustellen, hat sich nichts geändert. Ich verweise deswegen auf den Beitrag vom Juli, der die drei Alternativen nennt und näher erläutert:

Alternative 1:
Schwankungen in Kauf nehmen in Erwartung einer langfristig positiven Entwicklung

Alternative 2:
Das Erreichte sicherstellen und für eine gewisse Zeit alle Schwankungen ausschließen

Alternative 3:
Einen Kompromiss wählen und mit einen verringerten Betrag investiert bleiben

Hier der Link mit zusätzlichen Erläuterungen der drei Alternativen. (zum Ende des Beitrags scrollen)

Walter Feil