Microsoft hat jüngst einen Gewinnrückgang von rund 17 Prozent veröffentlicht. Wer diese Zahl liest, könnte vermuten, dass sich die Geschäftsaussichten eines der wertvollsten Unternehmen der Welt deutlich verschlechtert haben. Doch schauen wir genauer hin.

Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26, das am 30.6.26 endete, erwirtschaftete Microsoft einen Nettogewinn von 38,46 Milliarden US-Dollar. Im darauffolgenden Quartal waren es nur noch 31,78 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Rückgang von 17,4 % und klingt nach einem erheblichen Einbruch.

Wenn wir tiefer in den Bericht hineinlesen, stellen wir fest: Im operativen Geschäft gab es überhaupt keinen Gewinneinbruch. Der Umsatz stieg – und noch mehr der operative Gewinn. In den letzten vier abgeschlossenen Kalenderquartalen steigerte Microsoft seinen Umsatz von 81,3 auf 92,3 Milliarden Dollar. Auch der operative Gewinn entwickelte sich positiv: von 38,3 auf zuletzt 45,9 Milliarden Dollar. Das bedeutet, dass Microsoft nicht nur mehr Umsatz erzielt, sondern sein operatives Geschäft auch profitabler betreibt. Wie erklärt sich dann der zwischenzeitliche Rückgang des Nettogewinns?

Der Milliarden-Gewinn außerhalb des operativen Geschäfts

Im Dezemberquartal 2025 profitierte Microsoft von einem außergewöhnlich hohen bilanziellen Gewinn im Zusammenhang mit seiner Beteiligung an OpenAI. OpenAI hatte seine Gesellschaftsstruktur verändert. Im Rahmen dieser Umstrukturierung entstand bei Microsoft ein bilanzieller Beteiligungsgewinn. Insgesamt erhöhte der OpenAI-Effekt den ausgewiesenen Nettogewinn nach Steuern um rund 7,6 Milliarden Dollar. Dieser Betrag stammte nicht aus dem Verkauf von Software, dem Cloudgeschäft oder zusätzlichen KI-Dienstleistungen. Es war ein Sondereffekt aus der Beteiligungsbilanzierung.

Im folgenden Quartal entfiel dieser große positive Effekt. Dadurch erschien der Nettogewinn deutlich niedriger, obwohl sich das operative Geschäft weiter positiv entwickelte. Vergleicht man die um die OpenAI-Effekte bereinigten Ergebnisse, ergibt sich ein völlig anderes Bild: Der bereinigte Nettogewinn stieg von 30,9 Milliarden Dollar im Dezemberquartal auf 31,8 Milliarden Dollar im Märzquartal. Besonders dynamisch wächst das Cloudgeschäft. Der Umsatz der Azure-Plattform erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 48 Prozent.

Unser Fazit: Wer langfristig in Aktien investiert, sollte den Ursachen von Gewinnveränderungen auf den Grund gehen. Die wirtschaftliche Entwicklung eines Unternehmens lässt sich nicht aus einer einzigen Quartalszahl ablesen.Im Fall Microsoft zeigt der Blick hinter die Quartalszahlen ein operatives Geschäft, das weiterhin kräftig wächst. Ob die Aktie auf dem aktuellen Kursniveau attraktiv bewertet ist, steht auf einem anderen Blatt. Auch ausgezeichnete Unternehmen können zu teuer sein.

Mitte 2025 – als Beispiel – stiegen die Bedenken der Investoren, dass sich die massiven Investitionen in Rechenzentren nicht amortisieren würden. Der Aktienkurs (siehe blaue Linie) ging zurück. Mittlerweile kamen die Investoren wieder zu einem anderen Ergebnis. Der Aktienkurs liegt aktuell 20 % über dem Wert von Juni 2025.

Quelle: baha

Wir als Langfrist-Anleger mögen diese heftigen Schwankungen nicht. Deswegen bevorzugen wir eher ein Investment wie – als Beispiel – einen ETF, der die 50 größten Unternehmen der Welt zusammenfasst. Darin sind dann neben Microsoft auch Apple, Alphabet, Nvidia, Amazon, Broadcom, Meta … und andere Weltunternehmen, auch aus anderen Branchen, enthalten. Einmal gewinnt dieser, ein andermal jener: dies führte bisher in der Mischung zu einer Wertentwicklung mit nur mäßigen Schwankungen (siehe ockerfarbene Linie). Das war für mich ein guter Grund, so ein Investment in die Anlagestrategie „Vermögen fürs Leben“ aufzunehmen.

Walter Feil