30 Milliarden Dollar Verlust in nur drei Monaten! Mit dieser Nachricht sorgte der norwegische Staatsfonds am 22. Oktober für Schlagzeilen. Der größte Staatsfonds der Welt hatte im dritten Quartal erhebliche Verluste verbucht. Das klingt zunächst dramatisch. Aber was ist tatsächlich passiert?
Der Fonds verwaltete Ende September 2026 ein Vermögen von rund 2,35 Billionen US-Dollar. Seine offizielle Anlagerendite betrug im dritten Quartal minus 0,5 Prozent. Aus einer aufmerksamkeitsheischenden Verlustsumme wird bei näherer Betrachtung eine minimale Wertschwankung.
Noch interessanter ist die Frage, wo die Verluste entstanden sind. Der norwegische Staatsfonds hält rund 72 Prozent seines Vermögens in Aktien und knapp 26 Prozent in festverzinslichen Wertpapieren. Der Rest entfällt auf Immobilien und Infrastrukturprojekte im Bereich erneuerbarer Energien. Im dritten Quartal 2026 entwickelten sich diese Anlagen höchst unterschiedlich:
- Aktien: +0,5 Prozent
- Festverzinsliche Wertpapiere: −3,5 Prozent
- Immobilien: +0,4 Prozent
- Infrastruktur für erneuerbare Energien: +7,5 Prozent
Die Aktienanlagen erzielten also einen kleinen Gewinn. Verantwortlich für das negative Gesamtergebnis waren vor allem die Anleihen
Der Grund: Die Kapitalmarktzinsen sind gestiegen. Wenn neue Anleihen höhere Zinsen bieten, verlieren bereits ausgegebene Anleihen mit niedrigeren Zinskupons zunächst an Marktwert. Das ist ein wichtiger Hinweis für uns als Anleger: Auch Staatsanleihen können deutliche Kursschwankungen verursachen. Besonders empfindlich reagieren Anleihen mit langen Restlaufzeiten.
Außerdem: eine Abwertung des USD führte zu einem Wechselkurs-Verlust. Der Fonds meldete neben dem Anlageverlust von 278 Milliarden norwegischen Kronen einen negativen Wechselkurseffekt von 472 Milliarden Kronen. Die norwegische Krone hatte gegenüber den Währungen der internationalen Kapitalanlagen aufgewertet (= der USD hatte abgewertet). Dadurch verringerte sich deren in norwegischen Kronen ausgewiesener Wert. Dieser Währungseffekt war deutlich größer als das negative Anlageergebnis. Hier müssen wir unterscheiden: Ein Wechselkursverlust in der Berichtswährung ist nicht dasselbe wie ein Verlust der zugrunde liegenden Unternehmen oder Anleihen in ihren jeweiligen Anlagewährungen.
Was lernen wir als Langfrist-Anleger daraus?
- die nach Aufmerksamkeit schreiende Headline erzeugt ein falsches Bild. Der „gewaltige Verlust“ waren in Wirklichkeit nur 0,5 % auf das gesamte Anlagekapital.
- Anleihen können – auch bei guten Zinserträgen – zu deutlichen Verlustbringern werden, wenn das allgemeine Zinsniveau steigt. Dann sinkt der Kurs von Anleihen.
Der bessere Vermögensmix scheint mir nach wie vor eine Kombination von Geldkonten ohne Schwankungen für den kurzfristigen Liquiditätsbedarf und ein langfristig auf Wertzuwachs ausgerichtetes Aktienportfolio zu sein.
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