Viele Monate lang kaufte die Fed für 85 Milliarden USD monatlich US-Treasuries und hypothekenbesicherte Anleihen. Seit Jahresbeginn reduziert die Fed (amerikanische Notenbank) das Volumen der Anleihenkäufe. Im Januar sollten es nur noch 75 Milliarden USD sein, im Februar nur noch 65 Milliarden. Die weitere Reduzierung der Anleihenkäufe („Tapering“) ist geplant. Bis Jahresende 2014 könnte das Kaufprogramm auslaufen.

US-Arbeiter sollen die Lücke schließen

US-Präsident Obama stellte am 28.1. in einer Rede an die Nation eine neue Idee vor, wer künftig für die Finanzierung des US-Haushaltsdefizits und die Ablösung fällig werdender alter Anleihen sorgen könnte: „myRAs“ heißt das Programm, mit dem  Arbeitnehmer in den USA Anleihen des Staates kaufen können, um damit Reserven für ihre Altersversorgung aufzubauen. Alle Arbeitnehmer, deren Arbeitgeber keine eigene Rentenkasse anbieten, sollen damit ein steuerfreies Vorsorgevermögen aufbauen. Dies gilt für 53 % der Amerikaner im erwerbsfähigen Alter. (siehe HB vom 29.1.2014)

Obama stellte klar, dass die myRAs „vernünftige Renditen“ bringen werde und man kein Risiko habe, das zu verlieren, was man hineingetan hat. Die Erläuterung, wie vernünftige Renditen beim derzeitigen Zinsertrag für Staatsanleihen entstehen sollen, fehlt allerdings noch. Gleichwohl soll diese Idee, eine neue Käuferschicht für US-Staatsanleihen zu erschließen, per Exekutivorder schnell am Kongress vorbei durchgesetzt werden.

Japans Pensionsfonds will weniger Staatsanleihen kaufen

Während die USA darüber nachdenken, wie sie künftig die Vorsorgemittel der Arbeitnehmer in Staatsanleihen lenken können, plant der japanische Pensionsfonds einen Rückzug aus dem Anleihenkauf. Traditionell legt er 67 Prozent seiner Einlagen in japanische Staatsanleihen an und war damit einer der wichtigsten Käufer japanischer Anleihen. Bei einem Zinsertrag von nahezu Null erscheint diese Anlageart für den Aufbau von Vorsorgevermögen nicht mehr besonders attraktiv.

Deutsche Versicherungen kaufen weiterhin Staatsanleihen

Auch die Versicherungen in Deutschland leiden seit Jahren unter den niedrigen Zinserträgen, die ihnen die jetzt verfügbaren Staatsanleihen bieten. Jedes fällig werdende Papier aus früheren Zeiten baut den Bestand an ertragreichen Anleihen ab und zwingt zur Hereinnahme neuer Anleihen mit Zinserträgen unterhalb der für die Versicherungsnehmer garantierten Mindestrendite. Die Versicherer kaufen diese Anleihen allerdings nicht ganz freiwillig, sonder eher mit Rücksicht auf den Zwang, ihre Investitionen jeweils mit einer von den Regulierungsbehörden vorgeschriebenen Eigenkapitalquote zu unterlegen. Gemäß „Solvency II“ liegt diese Quote für globale Aktien bei 30  und für Immobilien bei 25 Prozent. Für die Anleihen eines Euro-Staates muss jedoch kein Eigenkapital vorgehalten werden, auch wenn es sich um Anleihen von Spanien, Portugal oder Griechenland handelt.

Wie die Wirtschaftswoche schon zu Jahresgebinn 2012 berichtete, gibt es über diesen Punkt durchaus Diskussionen. Ein Versicherungsanalyst der Société Générale erläuterte hierzu jedoch: „Die Eigenkapitalunterlegung für Euro-Staatsanleihen werden schon deswegen nicht angepasst, weil sich das die griechischen, spanischen und vor ellem die italienischen Versicherer gar nicht leisten könnten“.

Kommentar:
Die Regierungen und Behörden aller hochverschuldeten Staaten lassen keine Chance aus, die Vermögen ihrer Bürger zur Finanzierung der Staatshaushalte heranzuziehen. Am Beispiel Japan läuft dies über den Pensionsfonds, in Deutschland (unter anderem) über die Versicherungen, in den USA demnächst über einen neuen Vorsorgeplan für Arbeitnehmer. Wir sollten wachsam sein und stets prüfen, welche Assetklassen sich zum langfristigen Aufbau eines Altersvermögens eignet. Ein breit gestreutes Portfolio von Aktien weltweit erfolgreicher Großunternehmen erscheint mir für den langfristigen Vermögensaufbau besser geeignet.

 

Walter Feil
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