Starke Schwankungen in den Aktienmärkten – wie geht es weiter?

Geposted von Walter Feil am

Die Aktienmärkte starteten das Jahr 2018 sehr positiv: bis zum 23. Januar legte der Weltaktienindex (in der folgenden Grafik die braune Linie) um mehr als drei Prozent zu. Das BlackRock Managed Index Portfolio Growth (lila) erreicht knapp vier Prozent Wertzuwachs.

Grafik: Weltaktienindex und Blackrock Managed Index Portfolio Growth vom 1.1. bis 23.3.2018. Quelle: vwd

Die erste große Unsicherheit führte die Aktienmärkte ab dem 26. Januar zu einem schnellen, durch vollautomatische Handels-Algorythmen verstärkten Rückgang. In wenigen Handelstagen ging der Weltaktienindex auf minus fünf Prozent, das BlackRock Managed Index Growth Portfolio auf minus vier Prozent (jeweils seit Jahresbeginn) zurück.

Die Nachrichten zur Entwicklung der Weltwirtschaft lieferten keinen Grund für den Rückgang. Auslöser war eine Überspekulation in Derivaten (künstlichen Finanzprodukten), die im wesentlichen auf eine Fortsetzung der sehr geringen Volatilität (Schwankungsbreite) wetteten. Viele Depots, die teilweise mit hohem Fremdmitteleinsatz mit diesen Vola-Produkten spekuliert hatten,  wurden zwangsliquidiert. Aktien aller Art wurden schnell verkauft, um die Spekulationsverluste aus den Derivaten zu decken, und dies in einem grundsätzlich verunsicherten Markt. Vollautomatische Verkaufsprogramme, die bei zurückgehenden Kursen die Verluste begrenzen sollten (StopLoss-Orders), verstärkten die Abwärtsbewegung.

Die Aktienkurse spiegelten nicht die wirtschaftliche Entwicklung wieder

Das alles hatte wenig mit der tatsächlichen Wirtschaftsentwicklung zu tun. Als die Marktteilnehmer sich wieder mehr auf die Fundamentaldaten (Zahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung in den einzelnen Ländern und Regionen) besannen, kehrten die Käufer zurück. Die Kurse stiegen wieder etwa auf den Stand vom Jahresbeginn.

Aggressive Töne aus dem Weißen Haus verunsichern Marktteilnehmer erneut

Mitte März wurden die Töne aus dem Weißen Haus aggressiver: Donald Trump will Handelsbeschränkungen einführen. Sein lautes Gepolter verunsicherte die Marktteilnehmer erneut. In der Tat würde die Einführung von Einfuhrzöllen, wie von Trump lautstark gefordert, den Welthandel beeinträchtigen und negative Auswirkungen in zahlreichen Wirtschaftsregionen zur Folge haben, am meisten wohl in den USA selbst. Die Kurse bröckelten erneut ab und liegen per Datenlage 23.03 wieder unter dem Jahresbeginn.

Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium vorerst abgewendet – Lange Liste von Handelsbeschränkungen gegen China in Diskussion

Wenige Stunden vor Inkrafttreten der von Donald Trump angekündigten Zollbarrieren wurde die Tonart etwas moderater. Bis auf weitereres wurden Ausnahmen verkündet. Gleichzeitig kündigte der US-Präsident an, auf hunderte von Produktlinien Einfuhrzölle gegen China verhängen zu wollen. Die Aktienkurse gingen erneut zurück.

Vermutlich werden wir die kommenden Wochen täglich neue Meldungen über die Entwicklung der Handelsbeziehungen zwischen den USA und Europa, den USA und China und auch dem Rest der Welt erhalten. Zahlreiche führende Politiker einschließlich der Führung in China betonten mittlerweile mehrfach: bei einem Handelskrieg kann es nur Verlierer und keinen Sieger geben. Alle Nationen streben grundsätzlich danach, den Handel über die Grenzen hinweg zu vereinfachen und nicht zu behindern. Welche Ziele Trump mit seinem Gepolter tatsächlich verfolgt, wird die nächsten Wochen wohl etwas besser erkennbar werden.

China ist von Trump nicht erpressbar

China wäre den Maßnahmen der USA, mit Strafzöllen Handelsbeschränkungen aufzubauen, durchaus nicht hilflos ausgeliefert. Matthias Müller, Korrespondent der NZZ (Neue Zürcher Zeitung) in Peking, beschreibt in einem Beitrag vom 23.3.2018 anschaulich, wie China den USA in einem Handelskonflikt schaden könnte.

Zuächst: Ein US-Strafzoll von 25 % auf chinesische Einfuhren im Wert von 60 Mrd USD würde das Wirtschaftswachstum in China nur um 0,1 Prozentpunkte senken, wie die NZZ feststellt. Sodann ist China gut vorbereitet, mit subtilen Maßnahmen zahlreiche Exporte von den USA nach China zu behindern und durch andere Lieferquellen zu ersetzen. US-Unternehmen wie Boeing, Starbucks, Apple, Tesla, Nike (um nur einige Beispiele zu nennen) könnten schwer getroffen werden. Auch die Landwirtschaft, allen voran die Produzenten von Sojabohnen, könnte leiden.

China ist von den US-Importen nicht weniger abhängig als die USA von China-Importen. Eine Behinderung des Exports würde die weitere Entwicklung Chinas nicht entscheidend behindern. Sollte sich ein Handelskrieg entwickeln, wäre die chinesische Bevölkerung in deutlich höherem Umfang leidensfähig als die US-Konsumenten. Die wirkliche Gefahr liegt darin, dass der Handelskonflikt die Saat für weitere Konflikte streut und sich über die wirtschaftlichen Beziehungen hinaus ausweiten könnte.

Die Kursschwankungen werden sich fortsetzen

An den Börsen rings um den Globus sind nicht nur Langfrist-Investoren unterwegs, die gut geführte Unternehmen suchen und ihre Investments sodann viele Jahre lang halten. Eine zweite Gruppe von Marktteilnehmern sieht in Aktien hauptsächlich eine kurzfristige Chance auf Gewinn. Die tägliche Verfügbarkeit, ja sogar sekündliche Handelbarkeit der Positionen führt damit zu hohen Schwankungen, da die Kurse in teilweise schnellem Wechsel durch mehr Kaufnachfrage nach oben oder ein erhöhtes Angebot nach unten getrieben werden.

2018 sollte erneut ein positives Börsenjahr werden

Die überwiegende Mehrheit aller Analysen, die ich die letzten Wochen gelesen habe, drücken die Erwartung aus, dass das Jahr 2018 erneut ein positives Börsenjahr sein wird. Alle Analysten sind sich jedoch einig, dass die Schwankungen deutlich stärker sein werden als im Jahr 2017.

Die Kurse werden unter Anderem positiv beeinflusst von Erwartungen auf:

  • reichlich Liquidität von den Notenbanken (FED, BoE, BoJ, und EZB)
  • Rückführung der bisher im Ausland geparkten Gewinne von US-Konzernen, die nach Verabschiedung der jüngsten US-Steuerreform einige Hundert Milliarden USD aus dem Ausland zurückholen könnten. Ein Großteil dieses Geldes wird für Aktienrückkäufe und Erhöhung von Dividenden verwendet werden. Beides treibt die Aktienkurse tendenziell nach oben.
  • Gewinnsteigerungen, in den USA zufolge der Steuerreform (Steuersatz für Unternehmen deutlich gesenkt), in Europa und Japan aufgrund weiterhin guter Umsätze der Unternehmen

Negativen Einfluss auf die Kurse haben unter Anderem:

  • Stärkerer Liquiditätsentzug der Notenbanken als bisher erwartet
  • Stärkerer Zinsanstieg als bisher erwartet
  • Beschränkungen des freien Handels in der Welt.
  • Euro-feindliche Entwicklungen im Euroland
  • Enttäuschte Erwartungen bei der Gewinnentwicklung von Unternehmen

Richten Sie den Blick auf die mittel- und langfristige Entwicklung

Wie seit Jahrzehnten üblich, werden die Medien jede Neuigkeit mit dicken Überschriften, stark vereinfachenden Beiträgen und sodann tonnenweise Zitaten von Leuten, die ganz genau wissen, was nun gerade anliegt, begleiten. Zehntausende von Anlegern werden bei negativen Meldungen erschreckt auf den Verkaufsknopf drücken.

Die Weltwirtschaft läuft jedoch weiter rund. Auch wenn die Wachstumsraten sich verlangsamen, liegen wir immer noch auf hohem Niveau: die Wirtschaftsleistung schrumpft nicht, wenn das Wachstum von (als Beispiel) 2,8 auf 2,6 % zurückgeht. Die Wirtschaftsleistung legt nur etwas langsamer zu.

Als ich diesen Beitrag am 25.03. begann, überwogen die negativen Kommentare. Am Montag, den 26.03., kurz vor 21 Uhr, zeigt der Ticker für den DowJones einen Tagesgewinn von 2,33 % und für den Nasdaq von 3,00 % an. Der Abverkauf vom Freitag hat sich am Montag wieder umgekehrt.

Was nun tun?

Die Entscheidung, wie weiter investiert werden soll, hängt sehr stark von den persönlichen Anlagezielen ab. Dieser Beitrag richtet sich an Anleger, die langfristig (über 10 Jahre und länger) einen guten Wertzuwachs erreichen wollen und bereit sind, zwischenzeitliche Schwankungen in Kauf zu nehmen.

Die lauten Töne von Donald Trump in Richtung Handelsbeschränkungen haben viele Marktteilnehmer verunsichert. Niemand weiß hundertprozentig, ob es tatsächlich zu einer massiven Behinderung des globalen Handels kommen wird. Sollte diese Entwicklung eintreten, werden die Aktienkurse mit hoher Wahrscheinlichkeit tendenziell zurückgehen. Wenn sich die derzeitigen Befürchtungen nicht bestätigen, ist umgekehrt eine erneute Erholung der Aktienkurse zu erwarten. Der 26.3. hat gezeigt, wie aus gedrückten Kursen heraus eine Erholung eintreten kann.

ScreenShot einer Sammlung von Indizes auf der CMC-Plattform 26.3.3028, 21:00 Uhr: Tagesentwicklung

Am Dienstag, den 27.3., setzte sich diese Entwicklung fort.

Screenshot einer Sammlung von Indizes auf der CMC-Plattform 27.5. 10:05 Uhr: Tagesentwicklung

Am 28.3. vormittags war die Entwicklung wieder umgekehrt. Sämtliche Indizes zeigten wieder rote Vorzeichen.

Alle Märkte drehen jeweils in die gleiche Richtung

Auffällig ist die Tatsache, dass von einem Tag zum anderen sämtliche Indizes jeweils in die gleiche Richtung drehen. Es gibt keine entscheidenden Unterschiede zwischen den Aktienmärkten in den verschiedenen Regionen und Ländern. Die Kurzfrist-Spekulanten schalten rings um den Globus und sehr schnell von „Risk-On“ auf „Risk-Off“ und wieder zurück: Es wird überall gekauft, überall verkauft und wieder überall gekauft, die letzten Tage in schnellem Wechsel. So ist es – vielleicht abgesehen von einigen kleinen exotischen Börsen, deren Titel nur mit hohen Spreads zu handeln sind – nicht möglich, den Kursschwankungen durch Fokussierung auf bestimmte Teilmärkte zu entgehen.

Ein Erfolg durch ein fokussiertes Investment in bestimmte Märkte erscheint mir derzeit mehr Glücksache als spezielles Können zu sein. Aus längere Sicht mögen sich einzelne Märkte wieder unterschiedlich entwickeln. Derzeit reagieren die Kurse wie Schiffe, die von der Flut alle gleichzeitig angehoben werden.

Vorsichtige Anleger könnten die Gesamt-Aktienquote verringern

Investmentportfolios, die das Ziel verfolgen, die Wertschwankungen geringer zu halten als für den Aktienmarkt 2018 zu erwarten ist, könnten die Aktienquote bei passender Gelegenheit reduzieren, bis wieder eindeutigere Prognosen möglich sind. Danach wird sich allerdings die Frage stellen, wann und unter welchen Marktbedingungen das Investment in die Aktienmärkte wieder aufgenommen werden soll. Die Erfahrung zeigt, dass der Wiedereinstieg später häufig zu höheren Kursen erfolgt als der vorhergegangene Ausstieg. Damit würde in der längerfristigen Betrachtung ein Teil der langfristigen Wertentwicklung fehlen.

Langfristig orientierte Anleger sitzen die Schwankungen aus

Portfolios, die langfristig einen überdurchschnittlichen Wertzuwachs anstreben, könnten die höhere Volatilität bis auf weiteres aussitzen und investiert bleiben. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (die „Fundamentaldaten“) erscheinen per März 2018 weiterhin positiv. Zahlreiche Analysehäuser weisen jedoch darauf hin, dass in 2019 eine Abkühlung erfolgen könnte. Bis dorthin erwarten diese Analysten eine tendenziell positive, jedoch volatile Kursentwicklung. So könnte (als Beispiel) der DAX zunächst deutlich unter 11.800 Punkte fallen und sodann wieder eine Aufwärtsbewegung beginnen. Der Godmode-Trader weist auf unüblich hohe Short-Positionen auf den Dax hin. Diese Positionen müssen später wieder eingedeckt werden, was erfahrungsgemäß zu (häufig sehr schnellen) Kurssteigerungen führt. Dies alles zehrt an den Anleger-Nerven, hat jedoch mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Unternehmen nicht viel zu tun.

Alternativen zu den Aktienmärkten sind rar

Die Alternativen zu einem Investment in Unternehmen sind allerdings rar. Anleihen erscheinen mir nach wie vor nicht attraktiv: „Sichere“ Staatsanleihen liefern keinen Ertrag, dafür jedoch das Risiko von Kursverlusten bei künftigen Zinssteigerungen. Die folgende Grafik (Quelle: vwd) zeigt die Entwicklung von

  • Unternehmensanleihen (rot),
  • HighYield-Anleihen (schwarz) und
  • Emerging-Markets-Staatsanleihen in Lokalwährung

seit Jahresbeginn bis 23.03.2018.

Die braune Linie zeigt einen geldmarktnahen ETF von iShares. Damit ist kein Gewinn zu erwarten. Im Gegenteil: da mit kurzfristigen „sicheren“ Staatsanleihen derzeit kein Ertrag erwirtschaftet wird, führt dieses Investment zu einem vorhersehbaren leichten Wertrückgang. Dies ist allerdings ein geringer Preis für die Sicherheit und die Kalkulierbarkeit, die ein geldmarktnaher ETF derzeit bietet. Er eignet sich damit als Parkposition zum „Überwintern“, bis wieder attraktive Chancen im Aktienmarkt auftauchen.

Allokations-Ideen folgen bis 29.03.

Ideen zur Allokation im Rahmen einer Private-Insuring-Versicherung LVL70 werden bis 29.03. bereitgestellt. Ein Formblatt für Umschichtungen steht bei Bedarf zum Download zur Verfügung. Allokationstermin für eventuelle Umschichtungen im Versicherungstarif Private Insuring LVL70 ist Freitag, der 6.4.2018. Ein Auftrag zur muss rechtzeitig vorher bei ERGO Life S.A. vorliegen.