3,2 Milliarden Euro Boni will die Deutsche Bank für das Jahr 2013 an ihre Mitarbeiter ausschütten, den größten Teil davon an die Investmentbanker. Sie befindet sich dabei in illustrer Gesellschaft: Bei der britischen Barclays liegen 2,9 Milliarden und bei der Schweizer UBS 2,6 Milliarden Euro im Bonus-Topf für 2013. In den USA werden, wie der Spiegel-Online gestern meldete, noch deutlich mehr bezahlt.

Die Deutsche Bank steht unter anderem deswegen in der Kritik, weil der für die etwa 25.000 Investmentbanker vorgesehene Bonus (Bonus = Sonderzahlung, über das Fixgehalt hinaus) dreimal so hoch ist wie die der Jahresgewinn 2013, aus dem letztlich auch der Dividendentopf für die Gesamtheit aller Aktionäre gespeist werden soll.

Das Argument der großen Investmentbanken dieser Welt für diese Bonuszahlungen ist vor allem der Kampf um die „Besten“ in der Branche. Wenn „Top-Kräfte“ überall mit hohen Boni umworben werden, kann eine einzelne Bank sich nicht aus dem System ausklinken. Ich würde aber doch gerne die Frage stellen, anhand welcher Kriterien beurteilt wird, ob ein Investmentbanker zu den „Schlechten“, zu den „Guten“ oder gar zu den „Besten“ zählt. Wird das nicht wesentlich daran festgemacht, wieviel Gewinn der einzelne Investmentbanker für die Bank erwirtschaftet hat? Eines der berüchtigsten Beispiele hierfür ist der Zinshändler, der für seinen Arbeitgeber 800 Millionen Gewinn erwirtschaftet hat und dafür einen Bonus von 80 Millionen Euro erhielt. Pikant dabei ist, dass sein Arbeitgeber zu der Gruppe derjenigen Investmentbanken gehört, denen eine Manipulation der Zinsmärkte vorgeworfen wird.

Gewinne für die Boni-Banker – Verluste für die Steuerzahler?

Noch mehr als das im aktuellen Beispiel der Deutschen Bank auffälliges Mißverhältnis zwischen Bonuszahlung und Jahresgewinn beunruhigt mich jedoch die Entwicklung auf dem Weg zur (geplanten) Bankenunion. Die Erfahrung, wie das System funktioniert, haben wir ja schon hinter uns. Investmentbanken rund um den Globus gingen Risiken in einem Umfang ein, die sie niemals, niemals selbst tragen konnten. Solange die Zockerei gut ging („gut“ aus Sicht der Investmentbanken), wurden gigantische Gewinne erzielt (… und ebenso gigantische Boni bezahlt). Als die Risiken, die sich diese Investmentbanken dank der emsigen Tätigkeit ihrer „Besten“ in die Bücher geschrieben hatten, tatsächlich eintraten, brach das System zusammen.

Haben wir fünf Jahre nach dem Zusammenbruch schon vergessen, wie viele Millionen Menschen durch die Banken- und Finanzkrise ihr Vermögen verloren, wieviele Millionen arbeitslos wurden und wie viele Milliarden der Gemeinschaft aller Steuerzahler aufgebürdet wurden? Bis heute diskutieren Politiker aller Staaten über die Frage, wie eine Wiederholung dieser Entwicklung vermieden werden könnte.

Bankenunion mit Löchern – ESM könnte weiter gefordert werden

Die Süddeutsche Zeitung weist darauf hin, dass der aktuelle Verhandlungsstand über das System, wie Banken bei Schieflagen durch Mittel einer wie auch immer definierten „Bankenunion“ aufgefangen werden könnten, noch keinen wirksamen Schutz erwarten lassen. Am Ende könnte doch wieder eine Rettung zu Lasten der Steuerzahler (z.B. der ESM) einspringen müssen.

Zurück zu den Wurzeln

Früher, sehr sehr lange zurück, gab es noch Banken, bei denen die Inhaber als vollhaftende Gesellschafter mit ihrem gesamten Vermögen für die Risiken, die die von ihnen betriebene Bank einging, haftete. Diese Art von Banker genoss hohes Ansehen. Sie nahmen Einlagen an, stellten Kredite für die Unternehmen (deren Risiken sie überschauen konnten) bereit und wickelten den Zahlungsverkehr ab. Könnten Sie sich vorstellen, dass solche Bankinhaber Mitarbeiter einstellen würden, die – bei Erfolg mit entsprechendem Bonus honoriert – auf Risiko der Bankinhaber zocken sollten?

Wenn jeder, der Risiken eingeht, für diese Risiken mit seinem eigenen Vermögen dafür haftet, verändert sich augenblicklich die Betrachtungsweise. Ich habe die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, dass Banken wieder einmal das werden könnten, was sie eigentlich sein sollten: Kapitalsammelstellen für die Anleger und Kreditgeber für Unternehmen und Privatehaushalte. Die gigantischen Risiken, die „das System“ sich durch seine spekulativen Geschäfte auf eigene Rechnung hereingeholt hat, gehören auf eine andere Baustelle

Quellen:

Der Spiegel

Walter Feil
EmailPrint