Kurzfrist-Ausblick: erhöhte Volatilität im Februar zu erwarten

Geposted von Walter Feil am

Zu Jahresbeginn haben die Aktienkurse deutlich zugelegt. Für das Gesamtjahr 2021 sagen alle mir bekannten Analysten und Investmenthäuser weiterhin eine positive Entwicklung der Aktienbörsen voraus. Mit zunehmender Anzahl von Impfungen können die Einschränkungen, die die Wirtschaft behindern, in immer mehr Regionen wieder aufgehoben werden. Die Umsätze und Gewinne der Unternehmen werden wieder steigen.

Technische Reaktion zu erwarten

Im Januar scheinen die Börsen jedoch über das durchschnittliche Maß hinausgeschossen zu sein. So ein Überschießen hat meist eine „technische Reaktion“ zur Folge: die Kursentwicklung nähert sich wieder dem langfristigen Durchschnitt an. Somit ist jetzt zunächst einmal mit einem Rückgang der Kurse zu rechnen.

Moderater Kursrückgang

Niemand weiß genau, wie weit die Kurse korrigieren werden. Für eine nur mäßige „technische Reaktion“ sprechen folgende Gründe:

  • Die Notenbanken stehen weiterhin bereit, die Märkte mit extrem hoher Liquidität zu versorgen. Sie setzen ihre Anleihe-Ankaufprogramme fort (das beeinflusst die langfristigen Zinsen) und halten den Leitzins weiterhin tief (das beeinflusst die kurzfristigen Zinsen). Dies erhöht den Anlagenotstand von Investoren, die bisher in Anleihen investiert waren und damit nun keine Erträge mehr erwirtschaften.
  • Die Regierungen, allen voran die US-Regierung und auch die EU, beginnen mit bisher nicht gekannten Summen die Wirtschaft zu unterstützen.
  • Die Konsumenten haben hohe zusätzliche Ersparnisse aufgebaut. Ein großer Teil davon wird wieder in den Konsum fließen und damit die Wirtschaft beleben, sobald die Beschränkungen unserer Bewegungsfreiheit wieder aufgehoben werden.

Grundsätzliche Risiken bleiben bestehen

Auf der anderen Seite bleiben Risiken bestehen. Das größte Risiko sind vermutlich Rückschläge auf dem Weg zur Immunisierung. Eine Verzögerung würde die Erwartungen der Investoren und damit die Kurse negativ beeinflussen.

Das Risiko von Zinserhöhungen oder einer Reduzierung der Unterstützung der Notenbanken, was sofort eine sinkende Nachfrage nach Aktien auslösen würde, erscheint gering. Die großen Notenbanken betonen immer wieder, dass sie auch ein Ansteigen der Inflation hinnehmen würden, bis ein „durchschnittlicher“ Wert erreicht ist, wobei offen bleibt, wie lange diese „Durchschnittsbildung“ laufen soll.

Langfrist-Anleger bleiben investiert

Ein erneutes Ansteigen der Kurse könnte  im März, vielleicht auch erst im April, beginnen. Niemand kann genau vorhersagen, wann ein erneuter Kursanstieg beginnt. Ein Rückzug aus dem Investment bringt damit das Risiko mit sich, den Wiedereinstieg zu verpassen. Die Empfehlung für alle, die die Vermögensanlage im Aktienmarkt als langfristiges Investment und nicht als kurzfristige Spekulation betrachten, lautet deswegen weiterhin: Investiert bleiben mit Blick auf die erwartete Entwicklung für das Gesamtjahr 2021 und darüber hinaus auch das Folgejahr 2022.

Rückgang zum günstigen Einkauf nutzen

Vielleicht nutzt der eine oder andere einen vorübergehend gedrückten Kurs auch, um sein Langfrist-Investment mit einem günstigen Einstandspreis noch etwas aufzustocken.

Walter Feil