Wenn wir heute über künstliche Intelligenz sprechen, denken wir fast automatisch an Software. Wir denken an Algorithmen, an Cloud-Plattformen, an große Technologieunternehmen. Doch je tiefer wir uns mit der Entwicklung der KI beschäftigen, desto klarer wird: Der wahre Engpass der digitalen Zukunft liegt nicht in der Software. Er liegt in der physikalischen Infrastruktur unserer Welt.

Die KI-Revolution braucht enorme Mengen an Strom, Rechenzentren, Stromnetzen und Rohstoffen. Damit entsteht eine Entwicklung, die weit über die Technologiebranche hinausgeht. Wir erleben den Beginn eines neuen globalen Industrie-Zeitalters.

Darstellung mit freundlicher Unterstützung von ChatGPT

Drei Superzyklen überlagern sich

Der Hintergrund dieser Entwicklung ist das Zusammenwirken von drei großen wirtschaftlichen Superzyklen. Diese Zyklen verstärken sich gegenseitig.

Der KI-Supercycle

Die Welt erlebt derzeit eine Explosion der Rechenleistung. Die Hyperscaler wollen alleine in 2026 über 600 Milliarden USD in den Aufbau neuer Rechenzentren investieren. Hyperscaler: dieser Begriff umfasst die kleine Gruppe von Technologieunternehmen, die riesige globale Cloud-Infrastrukturen betreiben. Der Name kommt daher, dass diese Unternehmen ihre Infrastruktur extrem schnell („hyperscale“) skalieren können – also innerhalb kurzer Zeit hunderttausende Server in neuen Rechenzentren hinzufügen.

Ein einziges großes KI-Rechenzentrum benötigt ein bis fünf Gigawatt Strom. Das ist fünf Mal so viel wie der Stromverbrauch einer Industriestadt mit 500.000 Einwohnern. Damit wird klar: Die digitale Wirtschaft ist längst keine rein virtuelle Welt mehr. Sie basiert auf gigantischen physischen Infrastrukturen.

Der Energie-Supercycle

Ein einziges großes KI-Rechenzentrum benötigt ein bis fünf Gigawatt Strom. Das ist fünf Mal so viel wie der Stromverbrauch einer Industriestadt mit 500.000 Einwohnern. Damit wird klar: Die digitale Wirtschaft ist längst keine rein virtuelle Welt mehr. Sie basiert auf gigantischen physischen Infrastrukturen. Daraus entsteht der zweite Zyklus. Der Strombedarf der schnell wachsenden digitalen Infrastruktur (Rechenzentren, Elektroautos, Wärmepumpen und Industrie-Elektrifizierung) wächst rasant.

Gleichzeitig stehen viele Energiesysteme vor großen Umbrüchen. Die Energiewende erfordert neue Kraftwerke, neue Stromnetze und neue Speichertechnologien. Genau hier entstehen die ersten Engpässe. Der Ausbau von Stromnetzen, Transformatoren und Hochspannungskabeln kann oft zehn bis zwanzig Jahre dauern. Der Energiebedarf steigt jedoch viel schneller.

Der Rohstoff-Supercycle

Die dritte Ebene ist die Rohstoffseite. Die Elektrifizierung der Welt benötigt enorme Mengen an Materialien. Besonders wichtig sind dabei Kupfer für Stromleitungen, Uran für Kernenergie, Lithium für Energiespeicher und Nickel und seltene Metalle für Batterien und Elektronik. Viele dieser Rohstoffe wurden in den vergangenen Jahren zu wenig gefördert. Minen wurden stillgelegt. Neue Minen benötigen jedoch oft 15 bis 20 Jahre Entwicklungszeit.  Das bedeutet: Die Nachfrage steigt deutlich schneller als das Angebot.

Ein neues geopolitisches Industrie-Zeitalter

Die Kombination dieser drei Superzyklen verändert die Weltwirtschaft. KI, Energie und Rohstoffe bilden gemeinsam eine neue industrielle Basis. Das führt zu einer Entwicklung, die wir in dieser Form seit Jahrzehnten nicht gesehen haben.

Industriepolitik kehrt zurück.

Staaten versuchen zunehmend, ihre Energieversorgung zu sichern, kritische Rohstoffe zu kontrollieren und strategische Infrastruktur aufzubauen. Energie und Rohstoffe werden damit wieder zu zentralen geopolitischen Faktoren. Per März 2026 erleben wir dies gerade sehr dramatisch durch die politisch motivierte Sperrung der Straße von Hormuz, durch die etwa 20 % der globalen Ölförderung transportiert werden.

Die überraschenden Gewinner

Viele der größten Gewinner dieses neuen Industrie-Zeitalters werden nicht klassische Technologieunternehmen sein. Die Gewinner finden sich oft in Bereichen, die lange wenig Beachtung fanden. Dies sind vor allem die Stromnetz-Infrastruktur, Transformatoren und Stromverteilung, Hochspannungskabel, Rechenzentrums-Kühlung und Energie-Engineering. Diese Industrien bilden die unsichtbare Infrastruktur der digitalen Welt.

Eine neue Investment-Perspektive

Für Investoren bedeutet diese Entwicklung eine wichtige Verschiebung. Die großen Chancen liegen nicht nur im digitalen Bereich. Sie liegen auch in der physischen Infrastruktur, die diese digitale Welt erst möglich macht.

Die KI-Revolution ist daher nicht nur eine technologische Entwicklung. Sie ist gleichzeitig der Auslöser für einen globalen Energie- und Rohstoff-Superzyklus. Und möglicherweise für den Beginn eines neuen industriellen Zeitalters.

Wir werden die Investments für die langfristig steuerbegünstigten Versicherungen schrittweise an diese Entwicklungen anpassen. Lesen Sie hierzu auch die weiteren Beiträge auf diesem Blog vom gleichen Datum.

Walter Feil