Ausgabe 05/2025
3. April 2025
Donald Trump schockt die Welt
Sehr geehrte Damen und Herren,
am Mittwoch, den 2.4.2025, ab 22 Uhr unserer Zeit begann Donald Trump eine schockierende Rede. Investoren in aller Welt hatten sich darauf eingestellt, dass Trump weitere Zölle ankündigen würde. Der Umfang und die Höhe der am Mittwochabend angekündigten Zölle und die Art, wie sich der Präsident der Vereinigten Staaten als Egoman präsentierte, übertrafen jedoch alle Erwartungen.
Schon seit Wochen hatten sich die Investoren darauf eingestellt, dass gewisse Handelshemmnisse aufgebaut würden. Die daraus resultierenden Gewinnreduzierungen waren bereits vor dem 2.4. in den Kursen eingepreist. Allgemein bestand auch Konsens darüber, dass die Ankündigung von Zöllen häufig als Drohung zu interpretieren waren, um Verhandlungen über andere Ziele der neuen US-Regierung zu beginnen. Diese Erwartungen wurden am Mittwochabend weitgehend enttäuscht.
Viele Investoren reagierten erschreckt. Die Kurse an den US-Börsen sanken bis Donnerstag 16 Uhr unserer Zeit um mehr als drei Prozent. Auch die Kurse an den europäischen Börsen, an denen nicht nur europäische, sondern auch amerikanische Investoren engagiert sind, gingen in ähnlichem Umfang zurück.
Tatsächlich hatte ich diesen Rückgang – auch mit Blick auf die Tonnen von Lektüre die letzten Wochen – nicht erwartet. Es tut mir leid. Ihre und meine Investments sind gleichermaßen davon betroffen. In der Rückschau wissen wir es genau: wir hätten mehr darauf achten sollen, welche Maßnahmen sich ein entfesselter USA-Präsident noch einfallen lassen könnte.
Ich vermute (Stand 3.4. 16 Uhr), dass zahlreiche Stop-Loss-Orders vollautomatisch abgearbeitet werden, was zu weiteren Verkaufsaufträgen führen würde. Auch spekulative Investoren, die mit wenig Eigenmitteln plus sehr viel Kredit hohe Summen bewegen, tragen in solchen Situationen häufig zu irrationalen Kursbewegungen bei. Per 25. Februar meldete die FINRA Kredite für Investments in Höhe von 918,144 Millionen USD, als fast eine Milliarde Kredit für Aktienkäufe an der NYSE (siehe Margin Statistics | FINRA.org). Bei diesen finanzierten Investments führt ein Kursrückgang zu einer sofortigen Nachforderung von Eigenkapital. Wird dieser nicht erfüllt, verkauft der Broker alles, was verkaufbar ist, was häufig zu schnellen, jedoch nur kurzfristigen Kursrückgängen führt.
In einem solchen Umfeld sollte ein Langfrist-Investor überlegen:
- Besteht die Gefahr, dass die Weltwirtschaft, insbesondere die Wirtschaft der USA, zusammenbricht? – Meine Überzeugung ist: nein. Die Wirtschaft wird nicht zusammenbrechen, auch wenn alle auf Auflagenerhöhung erpichten Medien uns mit aufmerksamkeitsheischenden Headlines alle paar Minuten neue Gänsehaut erzeugen.
- Welche Folgen haben die Ankündigungen von Zöllen tatsächlich? – Die Zölle wirken wie eine Preiserhöhung auf die Produkte, die vom Ausland in die USA geliefert werden. Vermutlich werden die Lasten daraus von beiden Seiten getragen: die ausländischen Hersteller werden auf einen Teil ihrer Marge verzichten und die US-Bürger werden einen Teil der Zölle als Preiserhöhung akzeptieren müssen.
- Wie wirkt sich das auf die US-Wirtschaft aus? – Es wird darauf ankommen, ob die Einnahmen aus diesen Zöllen an anderer Stelle in die US-Wirtschaft zurückgeführt werden, zum Beispiel durch Steuerermäßigungen. Außerdem hängt es auch davon ab, ob und in welchem Umfang „Vergeltungsmaßnahmen“ in Gang gesetzt werden. Capital Economics rechnet damit, dass die Einnahmen aus den Zöllen „recycelt“ und die Lieferländer nur moderate Zollanhebungen durchführen werden. Das Wachstum der US-Wirtschaft würde gemäß dieser Prognose auf rund 1,5 % auf Jahresbasis zurückgehen. Die Inflationsrate würde wieder leicht zulegen, was die Fed veranlassen würde, mit Zinssenkungen sehr zurückhaltend umzugehen.
Zusammengefasst schätzt Capital Economics die Wahrscheinlichkeit einer Rezession mit 30 % ein, was im Umkehrschluss bedeutet: mit 70 % Wahrscheinlichkeit keine Rezession.
Die anderen Volkswirtschaften werden versuchen, die negativen Auswirkungen von Einfuhrzöllen in die USA zu reduzieren, indem sie die von Donald Trump so sehr geliebten „Deals“ anbieten, zum Beispiel eine Erhöhung von Importen von den USA.
Wie kommen wir mit der Situation klar? – Fest steht, dass die Kurse an den Börsen am 3.4. zurückgegangen sind. Meine Erwartung ist: Nach der Übertreibung nach unten wird wieder eine Beruhigung eintreten. Wann wird sich die Börsenrichtung wieder umkehren? Nach einem Tag, nach einer Woche, nach einem Monat? Ich weiß es nicht. Uns bleibt nichts anderes übrig, als die Erholung mit Gelassenheit abzuwarten. Entnahmen sollten in dieser Zeit aus anderen Investments, die geringere Schwankungen aufweisen, erfolgen.
Für weitere Informationen stehe ich Ihnen jederzeit zur Verfügung.
Herzliche Grüße
Walter Feil
Walter Feil:
Mail: wf@ihrkonzept.de
Tel.: 07223 – 990 98 11
IhrKonzept GmbH
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