0,00025 Sekunden dauert eine Transaktion im heutigen Hochfrequenzhandel. Damit sind 4.000 Transaktionen in einer einzigen Sekunde möglich. 51 Prozent aller Aktiendeals in den USA gingen bereits im Jahr 2012 auf das Konto dieser Turbo-Zocker. In Europa waren es 39 Prozent.

Das neue Buch von Star-Autor Michael Lewis mit dem Titel „Flash-Boys – Revolte an der Wall Street“ beschreibt Hintergründe und Zusammenhänge. Die dort beschriebenen Excesse sind so brisant, dass mittlerweile auch die amerikanische Bundespolizei FBI gegen Marktteilnehmer aus dieser Zockerecke ermittelt.

Die Liste der Vorwürfe ist lang: Die „Flash-Boys“ nutzen Insiderwissen, um sich auf Kosten anderer Investoren zu bereichern. Sie suggerieren mit Ihren ultra-schnellen Computersystemen Nachfrage, die die Kurse treibt – und ziehen die eigenen Aufträge im Millisekundentakt wieder zurück. Sie bringen mit Ihren Systemen Märkte in Bewegung und nutzen dies, um an den selbst erzeugten und damit vorhersehbaren Kursbewegungen zu verdienen. Sie profitieren von kleinsten Kursunterschieden, die sie selbst erzeugt haben, und dies millionenfach am Tag.

Sie geben Unsummen aus, um mit ihren Hochleistungscomputern einige Meter näher an die Börsencomputer heranzurücken. Sie verbinden ihre Super-Rechner mit Glasfaserkabeln, um Orders und Stornierungen mit Lichtgeschwindigkeit in Server der Börsen einspeisen zu können. Jede Mikrosekunde zählt, jeder Bruchteil einer Sekunde bringt ihnen einen Vorteil in diesem System, das von vielen als kriminell bezeichnet wird.

Sie behaupten, „Liquidität“ bereitzustellen und damit den Handel an der Börse sicherer zu machen. Sie sind aber keine Investoren, die eine Aktie kaufen in Erwartung einer positiven Entwicklung des investierten Unternehmens. Sie wollen einfach nur kleinste Bewegungen nutzen, halten Positionen nur für einige Millisekunden, produzieren eine Schein-Entwicklung bei den Kursen und kassieren ab.

Für uns als Langfrist-Investoren bedeutet dies, dass wir uns nicht nur damit befassen müssen, wie die wirtschaftliche Entwicklung in den einzelnen Regionen, Ländern und Branchen vorankommt, sondern auch mit der Frage, wie wir uns gegen allzu große Kursbeeinflussungen durch diese Turbo-Zocker schützen können.

Wenn Sie für das nächste Regen-Wochenende eine spannende Lektüre wünschen, empfehle ich Ihnen  das neue Buch zu bevorraten: „Flash Boys – Revolte an der Wall Street“, Campus-Verlag, 24,99 Euro.

Walter Feil
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