Frankreich startet neuen Versuch einer Rentenreform

Geposted von Walter Feil am

Letzte Woche wies ich darauf hin, welche Belastungen die Rentenversicherung in Frankreich schultern muss. Diese Woche wurden weitere Einzelheiten über einige Sonderprivilegien bekannt, die die Kassenlage der Rentenversicherung zugunsten bestimmter Berufsgruppen besonders belasten.

Rente ab 50 für Lokführer

Wie das Handelsblatt am Donnerstag berichtete, erregt sich die französische Öffentlichkeit unter anderem darüber, dass Lokführer bereits mit 50 und Metrofahrer mit 54 in Rente gehen können. Diese Sonder-Privilegien resultieren vor allem aus der Schlagkraft dieser gut organisierten Berufsgruppen. Staatsdiener gehen im Schnitt mit 57 in Rente und erhalten sodann 75,2 Prozent ihres letzten Gehaltes.

Die Regierung ist sich über das Ausmaß des Problems im Klaren

Am Mittwoch dieser Woche berichtete Britta Weidenbach, Managerin des DWS Invest Top Euroland und des DWS Top Europe Fund, anlässlich der Assetmanagerkonferenz der Deutsche Asset & Wealth Management, über ein Gespräch, das sie am Vortag mit hochrangigen Vertretern der französischen Regierung in Paris geführt hatte. Wie Frau Weidenbach erläuterte, ist sich die französische Regierung über die Tragweite des Problems sehr genau im Klaren und ist sich bewusst, dass bei einer weiteren Verschleppung der notwendigen Reformen der Zusammenhalt in Europa gefährdet ist. Deswegen arbeitet sie bereits intensiv an Regelungen, die die Rentenkasse in Frankreich entlasten sollen.

20 Milliarden Einsparung geplant

Gemäß dem HB-Bericht will die französische Regierung bis zum Jahr 2020 insgesamt 20 Milliarden Euro an Entlastungen für das Rentensystem erreichen. Dazu gehören eine längere Lebensarbeitszeit, der Abbau von Privilegien und höhere Einschnitte bei den Renten. Ein entsprechender Gesetzentwurf soll bis Dezember dieses Jahres verabschiedet sein.

Reformversuch 1995 führte zu Revolten

Klar ist, dass auch diese Reform zu einer Reduzierung der Leistungen an die Rentner führt. Zu erwarten ist, dass die Betroffenen hierüber nicht erfreut sind. Ist sich die Öffentlichkeit aber auch bewusst, dass jeder Euro, der an einer Stelle mehr ausgegeben wird, an einer anderen Stelle mehr eingenommen werden muss? Hoffen wir, dass die Wiederherstellung des Gleichgewichts zwischen Leistungsempfängern und Leistungserbringern nicht zu ähnlichen Revolten führt, wie Frankreich dies schon bei einem früheren Versuch, eine Rentenreform umzusetzen, zum Jahresende 1995 erleben musste. Damals legten Millionen von Demonstranten und Streikenden ganz Frankreich lahm und erzwangen eine Rücknahme der Reform.

 

Walter Feil
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