Ein starkes Wirtschaftswachstum in den USA führte früher stets zu einem deutlich beschleunigten Wirtschaftswachstum in den Emerging Markets. In den 2000er-Jahren wuchsen die Exporte der EM-Länder in der Regel zweistellig, wenn in den USA das Wirtschaftswachstum um zwei bis drei Prozent anzog. Im aktuellen Aufschwung in den USA gilt dieser Erfahrungswert jedoch nicht mehr: die Exporte der EM in die USA wachsen mit deutlich geringerem Tempo.

Grafik:
Der schnelle Anstieg des US-GDP (blaue Linie) nach dem Einbruch 2008/2009 führte noch einmal zu einem ebenso schnellen Emporschnellen der EM-Exporte (dunkelgraue Linie)  in die USA. Seit 2010 gehen die EM-Exporte in die USA jedoch zurück und folgen auch nicht mehr der Wirtschaftsentwicklung in den USA. 

Entwicklung der EM-Exporte in die USA an Abhängigkeit vom Wirtschaftswachstum der USA

Entwicklung der EM-Exporte in die USA an Abhängigkeit vom Wirtschaftswachstum der USA

 

Die Exporte der EM-Länder in die USA entwickeln sich dabei sehr unterschiedlich. Die starke Zunahme der Öl- und Gasförderung durch das Fracking-Verfahren in den USA führte vor allem zu einer sehr deutlichen Abnahme der Ölimporte. Bis 2005 stiegen die Ölimporte der USA noch an. Seit 2005 fielen die Importvolumen von in der Spitze über 10Millionen Barrel per Day auf aktuell unter 7,5 Millionen Barrel per Day.

Grafik:
Das Volumen der Ölimporte der USA fällt seit 2005 kontinuierlich (dunkelgraue Linie). Der jüngste Preisrückgang von Rohöl bis unter 90 USD/Barrel wird auch zu einer starken Reduzierung des Gesamtpreises (blaue Linie) führen. Dies verbessert die Handelsbilanz der USA, führt bei den ölexportierenden Ländern jedoch zu entsprechend geringeren Einnahmen. 

Das Volumen der Ölimporte der USA fällt seit 2005 kontinuierlich.

Das Volumen der Ölimporte der USA fällt seit 2005 kontinuierlich.

 

Einige EM-Länder mit stark sinkenden Exporten in die USA

Die detaillierte Betrachtung der einzelnen EM-Länder bestätigt, dass vor allem die Energie- und Rohstoff- orientierten EM-Länder mit sinkenden Wachstumsraten ihrer US-Exporte zu kämpfen haben.

Grafik:
Der Vergleich der Export-Wachstumsraten von 2004 bis 2006 mit der Entwicklung in 2014 zeigt die unterschiedliche Entwicklung. Ungarn steigerte seine Exporte in die USA, ausgehend von einem sehr niedrigen Stand in 2004 bis 2006. (blaue Säule: Wachstum 2004 bis 2006, dunkelgraue Säule: Wachstum 2014) Die Wachstumsraten der Exporte in die USA aus Brasilien, China, Indien, Indonesien sind immer noch positiv, gingen jedoch stark zurück. Die Exporte von Südafrika, Russland, den OPEC-Ländern, Chile, Columbien und Peru in die USA zeigen dagegen negative Wachstumsraten.

Entwicklung der US-Exporte einiger EM-Länder im Detail

Entwicklung der US-Exporte einiger EM-Länder im Detail

 

Fazit für die Allokation:
Während wir in 2000er-Jahren bei einem Wachstum der USA automatisch davon ausgehen konnten, dass die Wirtschaft der EM-Länder mit doppelter bis dreifacher Geschwindigkeit wächst, ist dieser Zusammenhang heute nicht mehr gegeben. Vielmehr ist die Entwicklung der einzelnen EM-Regionen und häufig sogar die Entwicklung der Länder einzeln zu beurteilen. In Mittel- und Lateinamerika entwickelt sich zum Beispiel die Wirtschaft in Mexico sehr positiv, in Brasilien jedoch nicht.

Alle Grafiken: CE, London

Walter Feil
EmailPrint