Mit etwas über zehn Prozent des GDP liegt das Anleihe-Kaufprogramm dicht am Volumen der ersten Kaufprogramme der US Fed und der Bank of England (BoE). Die EZB hat allerdings bereits am Donnerstag die Tür geöffnet, das aktuell veröffentlichte Kaufprogramm auszuweiten. Sie wies darauf hin, dass sie die Anleihekäufe fortsetzen wird, bis sie „eine nachhaltige Annäherung an die angestrebte Inflationsrate“ erreicht hat. Sowohl die Fed als auch die BoE fügten ihrem ersten Anleihekaufprogramm noch weitere Aktionen ähnlicher Art hinzu und verdoppelten damit das Volumen der ersten Maßnahmen. (siehe linke Grafik)

Der Bestand der aufgekauften Anleihen bei der Fed und bei der BoE ist nach mehreren aufeinanderfolgenden Ankaufprogrammen deutlich höher als die jetzige Vorgabe der EZB. (siehe rechte Grafik)

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Bestand der Anleihekäufe

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Entwicklung der Anleihekäufe USA, UK und Eurozone

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EZB schloss Griechenland-Bonds vom Kaufprogramm aus

Die Details der Ankaufbestimmungen führen dazu, dass keine weiteren Anleihen aus Griechenland angekauft werden. Die EZB bestimmte, dass pro Land nicht mehr als 33 Prozent der ausstehenden Anleihen im Bestand sein dürfen. Da die EZB bereits heute mehr als ein Drittel der griechischen Anleihen hält, ist eine Aufstockung ausgeschlossen. Dies mag besonders mit dem Blick auf die am Sonntag anstehende Wahl in Griechenland ein wichtiges Detail sein, wenn es darum geht, welche Forderungen die neue Regierung Griechenlands an die weiteren Länder in Europa stellen will.

Anleihekäufe alleine können das Wirtschaftswachstum in Europa nicht beschleunigen

Schon ein Blick nach Japan und sein unglaublich umfangreiches Anleihe-Kaufprogramm zeigen, dass diese Maßnahme alleine weder die Inflation nach oben noch das Wirtschaftswachstum beschleunigen kann. Wie in Japan, müssen auch die Regierungen in Europa die immer wieder hervorgehobenen Defizite bei der Umsetzung von Reformen in den jeweiligen Ländern beseitigen.

Deutsche Wirtschaft profitiert besonders

Die deutsche Wirtschaft profitiert heute noch von den entschlossenem Reformprogramm, das als „Agenda 2010“ bekannt wurde. Für die deutsche Wirtschaft addieren sich nun einige Vorteile zu einem sehr vorteilhaften Gesamtrahmen:

  • Der Arbeitsmarkt ist reformiert. Die Arbeitslosenquote ist gering. Der Arbeitsmarkt lebt.
  • Die Energiekosten sind auf ein historisches Tief gefallen. Das reduziert die Produktionskosten.
  • Die Zinsen für Finanzierungen sind auf einem noch nie gesehenen Tief. Das reduziert die Finanzierungskosten.
  • Der Euro hat gegen andere Währungen, insbesondere gegen den USD, massiv abgewertet. Das erhöht die Margen der Exporteure und verbessert gleichzeitig die Chancen, das Absatzvolumen im internationalen Wettbewerb auszuweiten.

In den anderen Euro-Ländern sind die Energiekosten und die Zinsen ebenfalls tief. Auch dort fördert der niedrige Außenwert des Euro die Absatzchancen. Das wird dem gesamten Euroraum zu Gute kommen, wegen des Reformvorsprungs jedoch vor allem Deutschland.

Grafiken: CE, London

Fazit:
Europäische Unternehmen finden jetzt gute Rahmenbedingungen. Die Aktien dieser Unternehmen könnten ihren Bewertungsrückstand gegen US-Aktien zügig reduzieren.

Walter Feil
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