3.100 Milliarden USD Anleihen stehen in den USA in diesem Jahr zur Refinanzierung an. Dazu kommen noch 218 Milliarden USD Schatzanweisungen, die in 2014 fällig werden und damit neu aufgenommen werden müssen. (HB 11.6.2014, Verkehrte Zinswelt)

Da trifft es sich gut, dass die Rendite für zehnjährige Anleihen nur noch bei 2,61 Prozent liegt. Damit sinkt die Zinslast, die die USA für ihre gigantischen Schulden zahlen müssen, mit jeder auslaufenden Anleihe etwas ab. Gleiches gilt für Deutschland (268 Milliarden fällige Anleihen, 1,38 % Rendite für neue Papiere), Italien (468 Milliarden, 2,74 %), und Frankreich (410 Milliarden, 1,71 %).

Für die Finanzminister sind die niedrigen Zinsen ein Segen – für die Käufer, die diese Anleihen traditionell aufnehmen, jedoch eine Katastrophe. Wie die „Actien-Börse“ diese Woche schreibt, liegen gut 90 Prozent aller Bundesanleihen in den Händen von institutionellen Investoren. Das sind vor allem Versicherungsgesellschaften, Pensionskassen, Stiftungen und andere Institutionen mit Versorgungsaufgaben. Alle diese Anleger haben ihrerseits Verpflichtungen, die sie aus dem angelegten Vermögenstock heraus erfüllen müssen.

Der Kreis schließt sich schnell und unbarmherzig: wenn  ein Versicherungsunternehmen mit den von uns eingezahlten Beiträgen nur noch ein Drittel der früher einmal üblichen Erträge erwirtschaftet, kann es die früher in Aussicht gestellten Leistungen nicht mehr erbringen. Die private Rente wird niedriger ausfallen als erwartet. Gleiches gilt für den Anspruch an die Pensionskasse: wenn die Erträge ausbleiben, werden die Pensionen geringer. Die Erträge sind mittlerweile so niedrig, dass sogar die als Leistungsuntergrenze definierten Garantiezahlungen gefährdet erscheinen. Garantieleistungen für künftige Verträge definieren ohnehin eher eine garantierte Enteigung statt einer garantierten Versorgung. Aber auch die höheren Garantien aus früheren Zeiten sind nicht mehr sicher.

Hans-Jörg Naumer, seit 2000 Global Head of Capital Markets & Thematic Research bei Allianz Global Investors, prägte vor einigen Wochen den Satz: Das größte Risiko ist, kein Risiko zu nehmen.  Der Gedanke dahinter ist, dass wir für unsere langfristig anzulegenden Vermögenswerte deutlich besser bedient sind, Anlageprodukte zu wählen, die einem (Schwankungs-) Risiko ausgesetzt sind. Die bisher stets als „sicher“ eingestuften Anlageprodukte bieten uns keine Sicherheit mehr für die Zukunft. Sie bedienen uns mit Erträgen unterhalb der Inflationsrate und verringern damit unser Realvermögen. Garantiert!

Darüber erscheint auch die Rückzahlung mit Blick in die fernere Zukunft nicht mehr so sicher wie früher unterstellt.

Frank Schäffler weist in seinem heutigen Newsletter darauf hin, dass die Euro-Finanzminister am Dienstag dieser Woche die Leitlinien für eine direkte Bankenhilfe durch den Euro-Schuldenschirm ESM vereinbart haben. Über diesen Rettungsverbund schwappen die Probleme von Banken irgendwo in Europa über die nationalen Grenzen hinweg in alle Länder des Verbundes. Das kann nicht ohne Folgen auf die Bonität der bisher starken Schuldner bleiben.

Ich habe mich bereits für den nächsten Vortrag von Hans-Jörg Naumer angemeldet. Er spricht seit langem schon über die Sinnhaftigkeit, zumindest einen Teil seiner Vermögenswerte in Unternehmensbeteiligungen anzulegen. Breit gestreut erscheint dies aus heutiger Sicht langfristig sicherer als der Kauf von Staatsanleihen.

 

Walter Feil
EmailPrint