Capital Economics: Die Erholung wird die Erwartungen übertreffen

Geposted von Walter Feil am

Das international aufgestellte Analysehaus „Capital Economics“ (CE) veröffentlichte vor wenigen Tagen seinen 35-seitigen „Global Economic Outlook“. CE erwartet, dass die wirtschaftliche Erholung die bis Dezember 2020 gehegten Erwartungen übertreffen wird, was wiederum für die Aktienmärkte ein positives Umfeld ergibt. 

Die folgenden Angaben sind eine Übersetzung der Prognosen des „Global Economic Outlook“ von Capital Economics.

Eine Reise um die Welt

Folgen Sie mir mit der Zusammenfassung dieses Ausblicks zu einer Reise um die Welt. Für den eiligen Leser füge ich hier schon die Übersicht über die Erwartungen zum Bruttosozialprodukt in den einzelnen Ländern ein:

Erwartungen von Capital-Economics

  • Das Welt-GDP steigt in 2021 um 6,9 %
  • China legt um 10 % zu
  • USA steigt um 6,5 %
  • Die Eurozone legt 4,0 % zu

Die Commerzbank erwartet gemäß ihrer „Wertpapierstrategie“ Ausgabe Februar 2021 die Entwicklung des GDP in 2021 so:

  • Welt: plus 5,3 %
  • China: plus 8,0 %
  • USA: plus 5,0 %
  • Eurozone: plus 5,0 %

Ergänzend hier gleich die Grafik bezüglich der Prognosen für das Jahr 2022:

Globaler Überblick

CE ist der Überzeugung, dass die wirtschaftliche Erholung im weiteren Verlauf des Jahres schneller verlaufen wird als von den meisten angenommen. Die Einführung von Impfstoffen wird sich beschleunigen, so dass die Beschränkungen aufgehoben werden können und die Wirtschaftstätigkeit in den meisten entwickelten Ländern ab dem zweiten Quartal 2021 wieder in Schwung kommt.

Inflation wird zunehmen

Die Inflation wird in den kommenden Monaten weltweit anziehen, aber dies wird von temporären Faktoren getrieben und sollte nicht mit einem anhaltenden nachfragegetriebenen Anstieg verwechselt werden.

Geldpolitik bleibt noch lange Zeit sehr locker

Da das BIP in den meisten Volkswirtschaften immer noch unter dem Potenzial liegt, werden die Zentralbanken die Geldpolitik wahrscheinlich noch lange Zeit sehr locker halten. Dies könnte in einigen Ländern zu einem anhaltenden Anstieg der Inflation führen, jedoch nicht in den nächsten Jahren.

USA erwartet starkes Wachstum in 2021

Starke fiskalische Anreize und eine relativ schnelle Einführung von Impfstoffen sollten es der US-Wirtschaft ermöglichen, die Konsensprognose zu übertreffen und in diesem Jahr um 6,5 % und 2022 um 4,0 % zu wachsen und zu ihrem Trend vor dem Virus zurückzukehren.

Eurozone erst 2020 wieder auf Vorkrisenniveau

Dank der Impfstoffe sollte sich die Wirtschaft in diesem Jahr schnell erholen. Die Produktion wird aber erst Mitte 2022 wieder das Niveau vor der Pandemie erreichen. Die Inflation wird noch niedriger bleiben als von der EZB erwartet.

Japan mit gesundem Wachstum

Die Einführung der Impfstoffe verläuft etwas langsam, aber der robuste Arbeitsmarkt deutet auf ein gesundes Wachstum in diesem Jahr hin.

Großbritannien startet später

Die Wirtschaft leidet nun unter einer dritten Sperre, aber die starke fiskalische Unterstützung, ein vielversprechender Start der Impfstoffeinführung und das hohe Niveau der Ersparnisse der privaten Haushalte verheißen Gutes für den Rest des Jahres.

Kanada mit guter Entwicklung der Wirtschaft

Trotz des langsamen Fortschritts bei der Einführung des Impfstoffs wird sich die Wirtschaft dank eines enormen fiskalischen Stimulus sehr gut entwickeln.

Australien & Neuseeland mit starkem Arbeitsmarkt

Starke Arbeitsmärkte werden eine straffere Geldpolitik bedeuten, als die Märkte erwarten.

Nordische Länder & Schweiz 2021 wieder auf Vorkrisenniveau

Das BIP wird in diesem Jahr wieder das Niveau von vor der Viruserkrankung erreichen, aber der Preisdruck wird schwach bleiben.

China schon im ersten Halbjahr 2021 stark

Chinas Wirtschaft wird in nächster Zeit die meisten Erwartungen übertreffen, da die Haushalte mehr Geld ausgeben. In der zweiten Jahreshälfte wird sich die Dynamik jedoch abschwächen, da die Unterstützung durch Konjunkturprogramme und Exporte nachlässt.

Indien bleibt unter seinen Möglichkeiten

Auch wenn die Wirtschaft in diesem Jahr stark wachsen wird, wird sie angesichts der extremen Schwäche des Bankensektors und der lauwarmen fiskalischen Unterstützung nicht zur vollen Gesundheit zurückkehren.

Andere asiatische Schwellenländer unter Trendwachstum

Da das BIP typischerweise deutlich unter dem Trend liegt, werden die Zinsen wohl weiter gesenkt werden.

Schwellenländer Europas mit schneller Erholung

Der gute Zugang zu Impfstoffen sollte es diesen Volkswirtschaften ermöglichen, sich schneller zu erholen als die meisten EMs.

Lateinamerika gebremst durch hohe Staatsverschuldung

Probleme mit der Staatsverschuldung werden das Wachstum bremsen und das Risiko einer lang anhaltenden wirtschaftlichen Narbenbildung erhöhen.

Nordafrika und Naher Osten

Die Golfregion wird sich dank einer schnellen Einführung von Impfstoffen und höheren Ölpreisen besser entwickeln.

Sub-Sahara-Afrika leidet unter fehlendem Zugang zu Impfstoffen

Schlechter Zugang zu Impfstoffen und fehlende fiskalische Unterstützung sind schlecht für die Volkswirtschaften der Region.

Rohstoffe

Wir prognostizieren steigende Ölpreise und damit eine Outperformance gegenüber den Preisen der meisten Industriemetalle und landwirtschaftlichen Produkte, für die wir im Laufe des Jahres einen Rückgang erwarten.

DZ-Bank erwartet für die USA ebenfalls starkes Wachstum in 2021

Ergänzend hier die Prognose der DZ-Bank über das Wirtschaftswachstum der USA: dem starken Rückgang des BIP im dritten Quartal 2020 folgte eine starke Erholung im vierten Quartal. Für 2021 erwartet die DZ-Bank ebenfalls ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum, jeweils bezogen auf das vorhergehende Quartal, was zu einer Rückkehr zum Trendwachstum führen sollte.

Unternehmensgewinne 2021 steigen kräftig

Die Börsenzeitung zeigt in einer Grafik, wie die Gewinne der 500 größten Unternehmen in den USA im Jahr 2020 gesunken sind, im Jahr 2021 jedoch gemäß den Markterwartungen wieder deutlich zulegen, über das Niveau von 2019 hinaus.

Die Kurse werden weiterhin Schwankungen unterliegen –
sehen Sie die längerfristige Entwicklung

Wir könnten noch weitere Analysehäuser zitieren, die sämtlich betonen: die Wirtschaft in fast allen Regionen wird sich wieder erholen. Eine wieder steigende Wirtschaftsleistung, steigende Beschäftigungsquoten und wieder steigende Gewinne der Unternehmen werden zu tendenziell steigenden Aktienkursen führen. Die Schwankungen, die aus den sich teilweise rasch verändernden Stimmungen der Investoren und den Aktivitäten der Kurzfrist-Spekulanten ergeben, werden wir als Langfrist-Anleger mit einer guten Portion Gelassenheit hinnehmen.

Walter Feil