Bei meiner Suche nach aussichtsreichen Ergänzungen für die Strategie „Vermögen fürs Leben“ beschäftige ich mich mit zwei weiteren ETFs aus dem Gesundheitssektor. Mich interessiert dabei nicht allein die bisherige Kursentwicklung. Entscheidend ist vielmehr die Frage, ob die Unternehmen in diesen Marktsegmenten auch in den kommenden Jahren eine wachsende Nachfrage erwarten können und daraus steigende Gewinne erzielen.
Die Ausgangslage erscheint mir interessant. Während bei den großen Technologieunternehmen zunehmend über die Rentabilität ihrer enormen Investitionen in künstliche Intelligenz diskutiert wird, besitzt das Gesundheitswesen andere langfristige Wachstumstreiber. Die Menschen werden älter. Chronische Erkrankungen nehmen zu. Gleichzeitig ermöglichen neue Technologien medizinische Behandlungen, die vor wenigen Jahren noch kaum vorstellbar waren.
Darin sehe ich interessante Chancen. Allerdings ist auch dieser Wirtschaftsbereich nicht frei von erheblichen Risiken.
Biotechnologie – Neue Medikamente eröffnen neue Märkte
Der erste ETF investiert in rund 250 an der Nasdaq notierte Biotechnologie- und Pharmaunternehmen. Zu den größten Positionen gehören Amgen, Vertex Pharmaceuticals, Gilead Sciences und Regeneron Pharmaceuticals. Diese Unternehmen entwickeln und vermarkten Medikamente gegen schwere Erkrankungen. Dazu gehören Krebs, Autoimmunerkrankungen, genetisch bedingte Krankheiten und zahlreiche chronische Leiden. Drei Entwicklungen finde ich besonders bemerkenswert
Neue Therapien gegen Adipositas und Diabetes
Die Behandlung von Adipositas und Diabetes hat durch neue Medikamente erhebliche Fortschritte gemacht. Wirkstoffe wie Semaglutid und Tirzepatid zeigen, dass sich Stoffwechselerkrankungen heute wesentlich wirksamer behandeln lassen als noch vor wenigen Jahren. Gleichzeitig wird an neuen Wirkmechanismen gearbeitet, die möglicherweise eine noch gezieltere Behandlung ermöglichen. Ein Beispiel ist die Forschung an ALK7. Dabei wird untersucht, ob durch die Beeinflussung bestimmter Stoffwechselprozesse Fettdepots reduziert werden können, ohne gleichzeitig unerwünscht Muskelmasse abzubauen. Ob daraus erfolgreiche Medikamente entstehen, ist noch offen. Das Forschungsgebiet zeigt jedoch, wie groß die Entwicklungsmöglichkeiten weiterhin sind.
Fortschritte in der Krebsmedizin
Moderne Immuntherapien und zielgerichtete Medikamente haben die Behandlung verschiedener Krebsarten verändert. Anstatt ausschließlich mit klassischen Chemotherapien zu arbeiten, versuchen Forscher zunehmend, bestimmte Eigenschaften von Tumorzellen gezielt anzugreifen oder das körpereigene Immunsystem zur Bekämpfung der Erkrankung zu nutzen. Unternehmen wie Gilead und Regeneron sind in entsprechenden Forschungsgebieten tätig.
Neue Möglichkeiten durch Gen- und RNA-Technologien
Ein weiteres Forschungsgebiet sind Medikamente, die unmittelbar auf genetische Ursachen oder bestimmte biologische Prozesse einwirken. Die Entwicklung solcher Therapien könnte künftig Behandlungsmöglichkeiten für Krankheiten schaffen, die bisher nur unzureichend behandelt werden können.
Warum ich hier langfristig Chancen sehe
Der Bedarf an wirksamen Medikamenten wird nicht verschwinden, wenn das Wirtschaftswachstum nachlässt oder weniger Rechenzentren gebaut werden. Eine alternde Bevölkerung, die zunehmende Häufigkeit chronischer Erkrankungen und der medizinische Fortschritt schaffen langfristige Nachfrage.
… und kurzfristige Risiken
Allerdings bedeutet dies nicht, dass jedes Biotechnologieunternehmen erfolgreich sein wird. Neue Medikamente müssen aufwendige klinische Studien durchlaufen. Viele Forschungsprojekte scheitern. Selbst eine erfolgreiche Zulassung garantiert noch keine ausreichenden Gewinne. Hinzu kommt, dass einzelne Unternehmen durch auslaufende Patente oder neue Konkurrenzprodukte erhebliche Umsatzverluste erleiden können. Der ETF verteilt diese Risiken auf zahlreiche Unternehmen.
Healthcare Innovation – Medizinischer Fortschritt besteht nicht nur aus neuen Medikamenten
Der zweite ETF verfolgt einen breiteren Ansatz. Er investiert weltweit in rund 200 Unternehmen, die neue Technologien und Behandlungsmethoden für das Gesundheitswesen entwickeln. Dazu gehören Unternehmen aus der medizinischen Diagnostik, der Genforschung, der Medizintechnik und der Arzneimittelentwicklung. Die zehn größten Unternehmen repräsentieren nur rund 18 % des Fondsvermögens. Die Konzentration auf einzelne Aktien ist damit deutlich geringer als beim Nasdaq Biotechnology ETF. Drei Beispiele für medizinische Innovationen
Frühzeitige Erkennung von Krebserkrankungen
Unternehmen wie Natera und Guardant Health entwickeln diagnostische Verfahren, mit denen bestimmte genetische Veränderungen und andere biologische Merkmale untersucht werden können. Solche Technologien können dazu beitragen, Erkrankungen früher zu erkennen, Behandlungen gezielter auszuwählen oder den weiteren Krankheitsverlauf besser zu überwachen. Für Patienten kann eine frühzeitige Diagnose entscheidend sein. Für die Gesundheitssysteme können sich daraus langfristig auch wirtschaftliche Vorteile ergeben.
Genetische Untersuchungen als Grundlage neuer Therapien
Das Unternehmen Illumina entwickelt Technologien zur Analyse genetischer Informationen. Diese Verfahren sind für die medizinische Forschung von großer Bedeutung. Sie ermöglichen es beispielsweise, genetische Veränderungen zu identifizieren, die bei der Entstehung bestimmter Krankheiten eine Rolle spielen. Damit schaffen sie eine wichtige Grundlage für die Entwicklung individualisierter Behandlungsmethoden.
Effizientere Arzneimittelforschung
Unternehmen wie IQVIA unterstützen Pharma- und Biotechnologieunternehmen bei klinischen Studien, der Auswertung medizinischer Daten und der Organisation von Forschungsprozessen. Die Entwicklung neuer Medikamente wird immer komplexer und kostspieliger. Technologien und Dienstleistungen, die klinische Studien effizienter machen, können deshalb einen erheblichen wirtschaftlichen Nutzen schaffen.
Warum mir dieser Ansatz besonders interessant erscheint
Der Healthcare Innovation ETF profitiert nicht ausschließlich davon, dass neue Medikamente erfolgreich zugelassen werden. Er beteiligt sich auch an Unternehmen, die medizinische Untersuchungen verbessern, Forschung ermöglichen oder neue Behandlungstechnologien entwickeln. Der Bedarf an solchen Leistungen dürfte langfristig steigen. Denn die Gesundheitssysteme stehen vor einer doppelten Herausforderung: Sie müssen immer mehr Menschen versorgen und gleichzeitig versuchen, die steigenden Kosten zu begrenzen. Innovationen, die Behandlungen verbessern und gleichzeitig wirtschaftlicher machen, könnten deshalb besonders gefragt sein.
Meine Zweifel: Sind die Zukunftsaussichten bereits in den Kursen enthalten?
Bei beiden ETFs sehe ich interessante langfristige Perspektiven. Allerdings darf ich die Risiken nicht übersehen. Die Entwicklung neuer Medikamente ist kostspielig und unsicher. Auch neue diagnostische Verfahren oder medizintechnische Produkte müssen ihre Wirksamkeit und ihren wirtschaftlichen Nutzen erst unter Beweis stellen. Hinzu kommt die Bewertung an den Aktienmärkten.
Wenn Anleger bereits sehr hohe zukünftige Gewinne erwarten, können die Aktienkurse selbst dann zurückgehen, wenn die Unternehmen weiterhin wachsen. Besonders bei kleineren Biotechnologieunternehmen können enttäuschende Studienergebnisse zu erheblichen Kursverlusten führen. Ich möchte deshalb nicht allein aufgrund überzeugender Zukunftsperspektiven investieren. Entscheidend ist für mich, ob die erwartete Gewinnentwicklung in einem angemessenen Verhältnis zur aktuellen Bewertung steht.
Welcher ETF passt besser zur Strategie „Vermögen fürs Leben“?
Beide ETFs ermöglichen eine Beteiligung an langfristigen Entwicklungen im Gesundheitswesen. Der Nasdaq Biotechnology ETF setzt stärker auf Unternehmen, die Medikamente entwickeln und vermarkten. Hier können erfolgreiche Innovationen erhebliche Gewinnsteigerungen auslösen. Gleichzeitig besteht eine größere Abhängigkeit von einzelnen Medikamenten, Zulassungen und Unternehmen. Der Healthcare Innovation ETF verteilt seine Investitionen breiter über unterschiedliche Bereiche des medizinischen Fortschritts. Dieser Ansatz erscheint mir für eine langfristige Anlagestrategie besonders interessant.
Allerdings muss ich berücksichtigen, dass sich die beiden ETFs teilweise überschneiden. Eine gleichzeitige Investition führt nicht vollständig zu einer entsprechend größeren Streuung.
Die beiden Gesundheits-ETFs im Vergleich
Wertentwicklung letzte drei Jahre

Nach dem Rückgang im März 2024 brauchten beide ETFs mehrere Monate, bis sie die vorigen Kurse wieder erreicht hatten. Seit Juni 2026, mit der Erwartung, dass der Einsatz von KI auch im Gesundheitswesen einen beschleunigten Fortschritt ergeben könnte, zogen die Kurse stark an.
Wertentwicklung letzte sechs Monate

Beide ETFs haben im Juni 2026 eine kontinuierliche Aufwärtsbewegung begonnen.
Sehr breite Streuung über zahlreiche Unternehmen
Die zehn größten Positionen aus den beiden Gesundheits-ETFs zusammengerechnet repräsentieren gerade einmal 2,45 % der gesamten 100%-Allokation. Der sechstgrößte Titel liegt bereits bei unter 0,21 % der Gesamtallokation. Dies unterstreicht, wie breit die beiden ETFs aufgestellt sind.
Meine Entscheidung
Die langfristigen Wachstumsmöglichkeiten überzeugen mich. Die Geschäftsfelder der in diesen beiden ETFs zusammengefassten Unternehmen sind nicht davon abhängig, ob ein Rechenzentrum mehr oder weniger finanziert und gebaut wird. Es ist eine separate Branche, in der zahlreiche Unternehmen von den neuen Möglichkeiten, die KI ihnen bietet, profitieren. Ich werde beide ETFs als chancen-orientierte Ergänzungen der drei langfristigen Basis-ETFs berücksichtigen, allerdings nur mit jeweils 5 %.
- 31.10.2026 Analyse gemäß aktuellem Stand des Portfolios - 31. Oktober 2026
- 30.10.2026 Biotechnology und Healthcare Innovation - 30. Oktober 2026
- IhrKonzept-KAPITALMARKTAUSBLICK: - 30. Oktober 2026