Technologie mit andauernd starkem Wachstum

Geposted von Walter Feil am

Der Index der 100 größten Technologiewerte in den USA (Nasdaq 100) ging vom 2.9. bis zum 18.9.2020, in nur 12 Börsentagen, um fast 12 Prozent zurück.

Chart: Nasdaq 100 vom 2.9. bis 18.9. 2020 (Darstellung in Euro)

Quelle: vwd

Zahlreiche Medienbeiträge zogen Vergleiche zur Technologieblase der Jahrtausendwende („Dotcom-Bubble“) und wiesen auf die „exzessiven Bewertungen“ der Technologieaktien hin. Tatsächlich war diesem Rückgang ein extrem starker Anstieg vorausgegangen. In den 26 Börsentagen vom 28.7. bis zum 2.9. betrug der Anstieg über 16 Prozent.

Chart: Nasdaq 100 vom 28.7. bis 2.9.2020 (Darstellung in Euro)

Quelle: vwd

Dieser extreme Anstieg in kurzer Zeit beruhte nicht alleine auf einem extremen Gewinnwachstum der Unternehmen, die im Nasdaq 100 vertreten sind. Es waren auch einige besondere Vorkommnisse, die zu diesem außergewöhnlichen Kursanstieg beitrugen.

  • Apple führte einen Aktiensplit durch. Für eine Aktie im Depot erhielten die Aktionäre drei weitere Aktien. Dies führte selbstverständlich nicht zu einer höheren Beteiligung am Unternehmen: Aktiensplit bedeutet, dass der Wert der einzelnen Aktien im gleichen Verhältnis sinkt. Vier Apple-Aktien waren in der Sekunde des Splits genauso viel wert wie eine Apple-Aktie vor dem Split. Allerdings führt so ein Aktiensplit zu einem (optisch) geringeren Preis pro Aktie. Der Börsendienst „Der Aktionär“ weist darauf hin, dass der Kurs von Aktien nach einem Split historisch betrachtet meist steigt. Der fundamentale Wert eines Unternehmens wird allerdings durch einen Aktiensplit um keinen Cent höher. Es ist wohl ein hoher Anteil an Börsenpsychologie dabei, wenn ein Unternehmen nach einem Aktiensplit höher bewertet wird als vorher …
  • Tesla zog nach und führte ebenfalls einen Aktiensplit 1:5 durch. Gleicher Effekt.
  • Spekulanten trieben den Kurs der großen Tech-Konzerne nach oben. Wie in zahlreichen Medien zu lesen war, war die in Japan beheimatete „Softbank“ als Gegenpartei für Investoren tätig, die mit hohen Summen Call-Optionen kauften.  „Call-Option“ bedeutet: der Besitzer dieser Option hat das Recht, von der Gegenpartei eine Aktie zu dem in der Option benannten Preis zu kaufen. Die Gegenpartei, die bei Ausübung des Calls die Aktie zum festgelegten Preis liefern muss, sollte diese Aktie im Bestand haben, um liefern zu können. Die Softbank kaufte deswegen Aktien der großen Tech-Konzerne mit hohem Volumen, entsprechend der von ihr ausgegebenen Call-Optionen. Dies trieb den Kurs dieser Aktien nach oben – die Spekulanten kauften noch mehr Call-Optionen – der Kurs wurde noch mehr getrieben, … ein sich selbst bestätigender Kreislauf. Das Wall Street Journal „Optionen“ berichtet von einem Volumen von vier Milliarden USD.

Schauen wir uns die Entwicklung über den gesamten Zyklus, jetzt ergänzt bis zum 30.09.2020, an.

Chart: Nasdaq 100 letzte drei Monate bis 28.09.2020 (Darstellung in Euro)

Quelle: vwd

Die spekulative Übertreibung ab Mitte August ist deutlich zu erkennen, ebenso die Rückkehr zur „Normal-Linie“ in den folgenden Tagen.

Kurzfristige Betrachtungen helfen nicht weiter

Wir lernen aus diesen Ereignissen: die kurzfristige Betrachtung der Börsenkurse hilft uns beim langfristigen Aufbau von Vermögenswerten nicht weiter. Die Börsen sind von Haus aus volatil. Spekulative Aktivitäten großer Marktteilnehmer erhöhen diese Volatilität (in beide Richtungen) teilweise weit über das normale Atmen der Börsenkurse hinaus. Für Entscheidungen in Zusammenhang mit dem langfristigen Vermögensaufbau müssen wir eine längerfristige Entwicklung beobachten und vor allem prüfen, welche Unternehmen in der Zukunft Chancen auf ein nachhaltig gutes Wachstum von Umsatz und Gewinn haben.

Technologiewerte seit zehn Jahren mit starkem Wachstum

Die im Nasdaq 100 zusammengefassten Technologiewerte erzielen bereits seit langem ein überdurchschnittliches Wachstum. Dies führte zu einem Anstieg der Börsenkurse von durchschnittlich über zwanzig Prozent jährlich. Der folgende Chart zeigt die Entwicklung am Beispiel eines ETF, der die Entwicklung des Nasdaq 100 einschließlich der Dividendenausschüttungen wiedergibt.

Chart: Nasdaq 100 letzte zehn Jahre (Darstellung in Euro)

Quelle: vwd.

Technologiewerte erreichen beschleunigtes Wachstum

Die Technologiewerte haben die letzten zehn Jahre immer mehr an Bedeutung gewonnen. Technologiekonzerne produzieren das größte Wachstum. Sie verfügen über die größten Geldreserven und können mit ihren gigantischen Reserven am besten auf Veränderungen im wirtschaftlichen Umfeld reagieren. Das uns aufgezwungene „Social Distancing“ führte bei den Konzernen mit digitalen Dienstleistungen noch einmal zu einer markenten Wachstums-Beschleunigung.

  • Wir reisen nicht mehr im Flugzeug zu internationalen Konferenzen. Wir schalten eine digitale Konferenz mit Zoom oder Teams. Lufthansa & Co legen ein Drittel ihrer Flugzeuge still, entlassen Personal und verwandeln Flugplätze in Geisterstätten. Microsoft & Co bauen ihre Cloud-Dienste aus und steigern ihre zahlenden Nutzer mit vorher nicht erwarteten Wachstumsraten.
  • Wir bringen unsere Kinder nicht mehr in die Kita oder in die Schule. Wir laden uns Apps auf die Smartphones und buchen Fernlehrgänge. Die Anbieter von Kinder-Unterhaltungs-Apps und digitalen Lehrprogrammen verzeichnen Wachstumsraten, von denen BMW, Mercedes und Volkswagen nur träumen können.
  • Wir gehen nicht mehr in’s Kino und besuchen keine Restaurants. Wir erweitern unsere kostenpflichtigen Abos bei Netflix & Co und lassen uns das Essen in’s Haus liefern.

Diese Entwicklung wird sich nicht mehr umkehren. Mit dem uns aufgezwungenen „Abstand-Halten“ haben wir zwangsläufig unsere Gewohnheiten verändert und neue, auch positive Erfahrungen gesammelt. Wir haben uns daran gewöhnt, von zu Hause aus zu arbeiten. Wir schätzen es, nicht mehr in den nervigen morgendlichen Stau zu müssen. Wir haben unsere Kommunikationstechnik umgestellt und aufgerüstet, die Papierberge in die digitale „Cloud“ gehoben – und genießen per Saldo die Freiheit, von jedem beliebigen Ort aus produktiv sein zu können.

Technologiekonzerne beherrschen die Börsen der USA

Die zehn größten Technologiewerte repräsentieren (Stand 31.8.2020) fast 60 % des Nasdaq 100. Es sind (Werte ändern sich täglich)

  • 14,26 % Apple
  • 10,97 % Amazon
  • 10,90 % Microsoft
  • 4,49 % Facebook
  • 3,76 % Tesla
  • 3,58 % Alphabet A
  • 3,50 % Alphabet Classic
  • 2,68 % Nvidia
  • 2,01 % Adobe
  • 1,95 % Paypal

Auch im S&P 500, dem Index der 500 größten Werte der USA, repräsentieren die fünf großen Positionen Apple, Microsoft, Amazon, google (Alphabeth) und Facebook rund 25 % des gesamten Index.

Tech-Riesen sind Geldmaschinen

Die NZZ (Neue Zürcher Zeitung) wies in einem Beitrag vom 19. September darauf hin, dass sich diese Tech-Riesen mittlerweile zu gigantischen Geldmaschinen entwickelt haben. Die großen Tech-Konzerne sind eindeutig die Profiteure der Digitalisierung. Sie haben in der Corona-Krise noch einmal an Bedeutung gewonnen, was zu einer nochmaligen Beschleunigung ihres Wachstums führte.

Der technologische Wandel wird sich fortsetzen.

Damit wird sich auch das Wachstum der Konzerne, die diesen Wandel anführen, fortsetzen.

Die rasante Kursentwicklung führt immer wieder einmal zu Vergleichen mit der Dotcom-Blase der Jahrtausendwende. Diese erscheinen mir nicht begründet: Die Stars des Jahres 2000 hatten häufig nicht mehr zu bieten als einen Schreibtisch, ein Telefon und eine Handvoll junger Leute, die mit ihren Ideen davon träumten, die Welt in’s Internet-Zeitalter zu katapultieren. Die Massen glaubten an die neuen Ideen. Im Firmentresor jedoch verhungerten die Mäuse mangels Füllung. Die Stars von heute dagegen können vor Kraft kaum laufen. Sie verfügen über gigantische Cash-Reserven, erprobte, erfolgreiche Geschäftsmodelle und einen treuen Kundenstamm. Sie verkaufen ihre Dienstleistungen zunehmend im Abo-Modell, womit sie auch in Krisenzeiten auf kalkulierbare, zuverlässige Einnahmen setzen können. Würden sie Ihre Lizenz zur Nutzung einer Büro- oder Kommunikations-Software, in deren Nutzung Sie viele Stunden Arbeitszeit investiert haben, aufgeben wollen?

Weitere Kurssteigerungen zu erwarten – mit weiterhin hoher Volatilität

Die Wertentwicklung des Nasdaq 100 in den vergangenen Zehn Jahren betrug durchschnittlich etwas mehr als zwanzig Prozent jährlich. Wie wird die künftige Wertentwicklung verlaufen?

Einen Teil der Antwort gebe ich mit hoher Überzeugung: weiterhin sehr volatil. Daraus folgt, dass dieser Index ganz bestimmt nicht für Anlagen mit nur noch kurzer Restanlagezeit zu empfehlen ist. Dann bestünde das Risiko eines scharfen Wertrückgangs gerade kurz vor dem geplanten Zeitpunkt der Auflösung.

Wenn jedoch noch eine lange (Rest-) Anlagezeit geplant ist und nach einem Kursrückgang genügend Zeit besteht, die nächste Kurserholung abzuwarten, dann könnte ein Investment in den Technologiemarkt, wie im Nasdaq 100 zusammengefasst, sehr ertragreich sein.

Die folgende Grafik illustriert, was sich ergeben würde, wenn der Nasdaq 100 die kommenden zehn Jahre weiter wächst mit …

  • 10 % (blaue Linie)
  • 15 % (olive Linie)
  • 20 % (lila Linie)

Quelle: vwd

Bitte beachten Sie: Dies sind keine gesicherten Vorhersagen. Die Grafik stellt lediglich dar, welche Ergebnisse entstehen würden, wenn … eine Wertentwicklung mit jährlich plus 10, plus 15 oder plus 20 % eintritt.

Walter Feil