Börsen im Stimmungstief. Wie könnte es weitergehen?

Geposted von Walter Feil am

Lock-down rings um den Globus bremst die Ausbreitung des Virus

Die wirtschaftlichen Aktivitäten sind mittlerweile zahlreichen Staaten rings um den Globus heruntergefahren. Die Menschen sollen nicht mehr in Kontakt zueinander kommen. Der Virus soll keine Chance mehr erhalten, von einem bereits infizierten Virusträger zu einem anderen, noch nicht infizierten Menschen überzuspringen. So soll die weitere Ausbreitung der Infektionen gebremst werden.

Dies führt zu einem in Friedenszeiten noch nie erlebten Rückgang der Wirtschaftsleistung. Die Einkommen von Millionen Arbeitnehmern und Unternehmen, angefangen beim kleinen Ein-Mann/Frau-Solo-Unternehmen über die kleinen und mittleren Unternehmen bis hin zum international tätigen Konzern, sind extrem reduziert. Fast alle Staaten haben Unterstützungsprogramme aufgelegt, um die Arbeitnehmer (z.B. über Kurzarbeitergeld wie in Deutschland) und Unternehmen (z.B. mit Zuschüssen und sehr kurzfristig ausgereichten Darlehen) mit Liquidität zu versorgen.

Alle Regierungen sind davon überzeugt, dass der vollständige Lock-down der Wirtschaft und das Verbot von Kontakten zwischen Menschen nur eine vorübergehende Maßnahme sein muss. Alle Maßnahmen zielen darauf ab, die akute Gefahrensituation zu überstehen und danach wieder zum gewohnten Leben zurückzukehren.

Die Beispiele von China und Korea zeigen, dass diese Erwartung begründet ist. In diesen Ländern hat der Lock-down und die Abschottung von Menschen dazu geführt, dass die täglich neuen Infektionszahlen bereits 20 Tage nach den ersten 100 nachgewiesenen Fällen wieder abnahmen. Zwischenzeitlich gibt es in China kaum noch neue Ansteckungen.

Quelle: Wellenreiter

Die wirtschaftlichen Aktivitäten in China sind bereits wieder angelaufen und auf einem Niveau von etwa 80 %. (Stand 25.03.2020).

Quelle: Amundi

Südkorea war bei der Eindämmung der Infektionen besonders erfolgreich. Das ARTE-Journal vom 27.3. 19:20 berichtete über die Maßnahmen in Südkorea:

  • Konsequentes Testen.
    Südkorea (51 Mio Einwohner) testete lt. ARTE in kurzer Zeit 350.000 Personen. Dazu wurden unter Anderem „Drive-Through“ – Teststationen aufgebaut. Dort konnte der erforderliche Abstrich von den Personen, die sich testen lassen wollten, durchgeführt werden, ohne dass diese Personen ihr Auto verlassen mussten. So konnten pro Tag und Station an die 100 Personen getestet werden. Die Abnahme eines Abstrichs in festen Räumen, z.B. einer Arztpraxis, erfordert deutlich mehr Aufwand wegen der  aufwändigen Desinfektion der Räumlichkeiten nach jedem Besuch eines vermutlich infizierten Patienten.
  • Konsequente Aufklärung
  • Konsequentes Tracking
    ARTE zeigte mit einem kurzen Film, wie die Bürger in Südkorea auf ihrem Smartphone über die uns allen bekannten digitalen Straßenkarten erkennen konnten, wo sich ein mit dem Corona-Virus infizierter Bürger im öffentlichen Raum bewegte. So konnten die Koreaner diese Plätze meiden und damit das Risiko, von dieser Person infiziert zu werden, reduzieren.

Der Erfolge: sehen Sie noch einmal auf die obige Grafik. Die ockerfarbene Linie zeigt, wie schnell Korea die Anzahl der täglichen Neuinfektionen senken konnte.

Was passieren könnte, wenn diese „soziale Distanzierung“, das Trennen von bereits Infizierten von den noch Gesunden, nicht stattfindet, zeigt die folgende Grafik recht eindrucksvoll. Bei einer Verdoppelung der Infektionen alle drei Tage hätten die USA 50 Tage nach den ersten 100 Fällen etwa acht Millionen Infizierte. Die Nachrichten aus Italien, Spanien und dem Elsass liefern uns eine vage Vorstellung, was dies für die Erkrankten, die Krankenhäuser, die Ärzte und Pflegekräfte – und die Bestattungsunternehmen – bedeuten würde.

Quelle: Wellenreiter

Die Wirtschaftsleistung bricht ein

Geschlossene Fabriken, Einkaufszentren und Gasthäuser erwirtschaften – wie Hunderttausend weitere Unternehmen – keinen Umsatz und keine Gewinne. Sie zahlen keine Löhne, keine Sozialabgaben, keine Miete und auch keine Steuern. Die Prognosen, wie weit das „BIP“, das „Bruttoinlandsprodukt“ (der Gesamtwert der Wertschöpfung im Inland durch Herstellung von Gütern und durch Dienstleistungen) sinken könnte, gehen weit auseinander. Wenn wir alle Interessengruppen, die in dieser Situation nach dem Prinzip „Wer am lautesten schreit, erhält am meisten Subventionen“ außen vor lassen, kommen wir zu einem Rezessionsrisiko von 5 bis 6 %, was für Deutschland etwa 180 bis 200 Mrd Euro weniger Wertschöpfung bedeutet. (Quelle: Die Aktienbörse, Bernecker Verlag, 27.03.2020)

Staatliche Unterstützung hilft den Unternehmen in der Krise

Fast alle Staaten haben Unterstützungsprogramme in bisher nicht gekanntem Ausmass auf den Weg gebracht. Das Ziel ist klar: Die Unternehmen sollen die Zeit des Lock-downs überstehen können. Großzügige Kredite, bei kleinen Unternehmen von vornherein als Zuschuss gewährt, sollen die Unternehmen liquide halten. Insolvenzen sollen vermieden werden. Hierfür wurden sogar die Vorschriften bezüglich der Pflicht, fristgerecht Insolvenz anzumelden, außer Kraft gesetzt. Kurzarbeitergeld soll den Unternehmen helfen, ihre bewährten Arbeitnehmer zu behalten, auch wenn das Unternehmen stillsteht.

Alle Maßnahmen zielen darauf ab, nach dem Abklingen der Infektionswelle den gewohnten Geschäfts- und Produktionsprozess wieder aufnehmen zu können, mit den gleichen Unternehmen, mit den gleichen Arbeitnehmern und Dienstleistern wie vorher.

Die Börsen spiegeln die Panik der Anleger wider

Der Weltaktienindex notiert per 26.03.2020 18,8 % niedriger als zu Jahresbeginn.

Grafik: vwd

Wenn ich eine Aufmerksamkeit heischende Überschrift bräuchte, würde ich formulieren:

  • Börsen im freien Fall! Fast 35 % Kursverlust in 20 Börsentagen, oder
  • Größter Kurssturz seit dem zweiten Weltkrieg!, oder
  • Crash an den Börsen! Milliarden USD in Luft aufgelöst!

Natürlich würde ich dann genau die Tage vom letzten Hoch bis zum letzten Tief zeigen. Prüfen Sie selbst: Tatsächlich ging der Index vom 19.2. bis zum 23.3. um 33 % zurück. Das runden wir in der Überschrift großzügig auf 35 % auf.

Grafik: vwd

Als erfahrener Anleger wissen Sie allerdings, dass sich so heftige Abwärtsbewegungen auch alsbald wieder umkehren. Die Börsen werden zu einer angemessenen Bewertung der Unternehmen zurückkehren. Betrachten wir eine etwas längere Anlagedauer, zum Beispiel 10 Jahre.

Grafik: vwd

Wenn wir diese Grafik etwas genauer betrachten, stellen wir fest:

  1. Per 26.03. stand der MSCI World höher als Anfang 2019, trotz des scharfen Einbruchs.
  2. Der Wertzuwachs auf zehn Jahre betrug 133 %. Dies entspricht einem durchschnittlichen Wertzuwachs von über 8 % jährlich.
  3. Rückgänge gab es in diesen 10 Jahren schon häufiger. 2011, 2016, 2019 – und jetzt wieder, Anfang 2020.

Wie kann das sein, dass ein Investment, das immer nur „Crashs“ produziert, in 10 Jahren um 133 % Wertzuwachs erfährt?

Wie geht es weiter?

Die letzten zwei Wochen ist das Bild, wie sich die Börsen weiter entwickeln könnten, schon etwas klarer geworden. Es kommt entscheidend darauf an, wie schnell es gelingt, die weitere Ausbreitung des Virus einzudämmen. Davon wird es abhängen, wie lange der gegenwärtige „Lock-Down-Modus“ andauern muss. Jede Woche länger vergrößert den Schaden in unserer Wirtschaft.

Die Investoren rechnen mit einem Hochfahren der Wirtschaft nach Ostern. Sie begründen dies mit den Entwicklungen in China. Dort haben sich die strengen Maßnahmen als erfolgreich erwiesen. Die Wirtschaft wurde bereits wieder hochgefahren.

Sobald sich die Überzeugung festigt, dass die wirtschaftlichen Aktivitäten wieder aufgenommen werden, werden die Börsenkurse wieder klettern. In einer ersten Stufe könnte dies bis zum Herbst dieses Jahres 15 bis 20 % Kursgewinn bedeuten und sodann vielleicht bis über 30 % bis Jahresende. Dies meint zumindest „Die Actienbörse“ aus dem Bernecker Verlag.

Sollte sich herausstellen, dass ein wirksamer Impfstoff verfügbar ist, werden die Börsen einen Sprung nach oben machen. Sollte es sich jedoch ergeben, dass das Virus in den USA nicht unter Kontrolle gebracht werden kann, werden wir eine erneute Verkaufswelle erleben.

Die gegenwärtigen Kurse sind Schnäppchen-Kurse. Der auf langfristigen Wertzuwachs bedachte Investor weiß, dass er den absoluten Tiefstkurs nicht genau treffen kann. Ein Dax unter 9.000 (Höchststand vorher war über 13.000) ist jedoch eine günstige Gelegenheit.

Per 27.03. 18:30 steht der Dax auf 9.600. Vielleicht erhalten die alten Hasen unter den Börsianern Recht, die darauf hinweisen, dass auf eine erste Erholung (Tief beim Dax war knapp unter 8.000) häufig nochmal ein weiterer Rückgang folgt.

Wie investieren?

Natürlich wird der erfahrene Investor nicht nur in den Dax investieren, sondern deutlich breiter streuen. Und ganz sicher ist zu empfehlen, auch andere Assetklassen, insbesondere Wohnimmobilien in breiter Streuung in Betracht zu ziehen. Auch bezüglich Immobilien las ich schon die ersten Headlines: „Immobilienmarkt unter Druck!“ Bleiben Sie aufmerksam und unterscheiden Sie, über welche Art von Immobilien berichtet wird:

  • Das Luxus-Penthouse in teurer Wohngegend, das sich nur wenige leisten können und dessen Mieter (oder Eigentümer) jetzt illiquide ist, weil seine Boni entfallen?
  • Die Büro-Immobilie, die derzeit leersteht, weil alle zuhause arbeiten (müssen)?
  • Das Shoppingcenter, das jetzt die Miete nicht mehr verdient, weil die Kunden alle zuhause eingesperrt sind?
  • Oder vielleicht ein ganz „normales“ Mehrfamilienhaus, das Wohnraum zu bezahlbaren Mieten bereitstellt?

Ein Videochat überbrückt die Entfernungen

Vielleicht finden Sie eine Viertelstunde Zeit in dem Ihnen aufgezwungenen Home-Office für eine Unterhaltung per Video? Mein Team und ich freuen uns auf eine Anfrage von Ihnen. Wir schalten eine Video-Konferenz, die Sie mit jedem Gerät annehmen können: Mit Ihrem Smartphone oder Tablet (iOS oder Android), mit Ihrem Notebook (Windows oder Mac), mit jedem Gerät. Den Zeitpunkt können Sie gerne auswählen: wir sind genauso eingesperrt wie Sie. Damit sind wir für Sie verfügbar, jederzeit, per Telefon, per Mail – und per Videokonferenz.

Walter Feil